Begegnungen auf der Interkarneval zwischen Show, Schulungen und Schnaps in Spritzen
„Horst Schlämmer" und „Johnny Depp" wurden gesichtet. Aber was hat die Caritas auf der Kamevalsmesse zu suchen?
VON ANJA KATZMARZIK Anna Hasse hat die Rolle der Frau im Karneval gleich erfasst. „Ich bin nur
zur Deko hier", sagt die Tänzerin der Husaren Schwarz-Weiß aus Siegburg, während
sie für das Kamerateam eines Privatsenders mit dem Reporter vor-tanzt. Im
Untergeschoss üben überwiegend Geschlechts-genossinnen Gardetanz und Co. Aber
auch einige Herren der Schöpfung trauen sich - abseits der Männerballette - auf
die Zehen. „Karamelle-Freddie" aus Holland beschränkt sich da lieber auf Kamelle-Testen.
Und „Zinn-Hannes" aus Krummenau hinterlässt mit seinen Gießvorführungen einen
„Orden"-tlichen Eindruck. Als „Macker" mit Goldzahn und Jumbo-Goldkette zur
Riesendauerwelle kommt Jan Göricke aus Berlin daher. Der Großhandelsmanager und
„Softie im Privaten" vertreibt für „maskworld-com" etwa Grusel-
und Fun-Zahn-Komponenten. „Am besten läuft derzeit Horst Schlämmer." Unterricht auf Sächsisch Mut zur Hässlichkeit? Verringert das nicht die Chancen beim Bützen? Der
29-Jährige verneint. „Man muss auffallen. Schön kann doch jeder." Ist aber auch mal ganz nett, wenn frau in die bezaubernd geschminkten Augen
von Aramazd Sarkis (20) schaut, der von seiner Mutter - Kostümdesignerin bei
Deko Schnitt in Porz - als, Johnny Depp" zum Prospekte verteilen „abgestellt"
wurde. Im süßesten Sächsisch werden im Ballondekorations-workshop Blumengebinde
gelehrt. Wer's braucht, kriegt Schnaps in Tuben oder Waldmeisterlikör in
Spritzen. Aber was um Himmels Willen verschlägt die Caritas auf die
Kamevalsmesse? „Wir nähen in unserer Behinderten-werkstatt in Ossendorf das
ganze Jahr über Kostüme wie Cord-Westen mit Köm-Emblem und dazu passende
Einkaufstaschen", sagt Gruppenleiterin Susanne Sinn nicht ohne Stolz. „Wir haben
Kunden bundesweit. Das brummt richtig." Die Messe ist geöffnet diesen
Samstag und Sonntag von
9 bis 18 Uhr. Auf der Bühne treten Kamevalskünstler
auf. Der Eintritt kostet 13 Euro
Kölner Stadt-Anzeiger - Samstag/Sonntag 16./17. Juni 2007

Märkte