Kooperation zwischen BBS I und Handelshof vereinbart
jrp Lüneburg
Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt ist derzeit besser als die
Stimmung. Bei den Jugendlichen der Region scheint es sich jedoch noch nicht
herumgesprochen zu haben dass zahlreiche Unternehmen wieder vermehrt
Ausbildungs-plätze anbieten. „Viele Jugendliche sagen immer: 'Wir haben ja
eh keine Chance.' Aber das stimmt nicht. Gerade im Lüneburger Raum gibt es
genügend gute Möglichkeiten“ betont Dr. Ulrich Getsch Leiter der Berufsbildenden
Schulen (BBS) I, mit besonderem Blick auf die Lehrstellensituation im
Einzelhandel. Er ist überzeugt, dass Engagement und Leistungsbereitschaft nach
wie vor mit einem Ausbildungsplatz belohnt werden. Um die Chancen Ihrer Schüler weiter zu verbessern, hat seine
Schule jetzt einen Kooperationsvertrag mit dem Handelshof Lüneburg geschlossen.
Ziel der Vereinbarung zwischen Schule und Unternehmen ist es, eine möglichst
enge Verzahnung von Theorie and Praxis in der Ausbildung von
Einzelhandelskaufleuten zu erreichen. Dass größere Praxisnähe erforderlich ist, zeigen die
Erfahrungen des Lehrers für Einzelhandel Stephan Struß: „Wenn die Schüler von
der Schule kommen, haben Sie häufig eine völlig falsche Vorstellung vom
Berufsleben. Auf einmal müssen sie 40 Stunden pro Woche arbeiten, haben keine
freien Sonnabende und bekommen drei Monate vor Weihnachten eine Urlaubssperre.
All das sind Bedingungen, die Schüler so nicht kennen.“ Die neue Partnerschaft
zwischen Schule und Betrieb soll helfen den Jugendlichen ein realistischeres
Bild der Arbeitswelt zu vermitteln. Dazu bietet der Handelshof den Schülern
Praktika an, die zuvor in der Schule vorbereitet werden. Auch das Unternehmen wird vor der Zusammenarbeit profitieren.
Für Peter Lange, Ausbilder beim Handelshof, bieten die Praktika eine gute
Gelegenheit, die Jugendlichen vor Anfang an im realen Arbeitsumfeld kennen zu
lernen: „Durch die Kooperation können wir uns sicher sein, dass nur Leute in
Praktikum kommen, die sich bewusst für diesen Beruf entschieden haben. Und
natürlich macht es für uns Sinn, die Praktikumsplätze möglichst nur an solche
Bewerber zu vergeben.“ Allerdings sieht das neue Konzept auch vor, die Schüler stärker
als bisher in die Pflicht zu nehmen. Getreu dem Prinzip „Fördern und Fordern“
erwartet die Schule von den Jugendlichen vollen Einsatz. Jochen Lücke, Lehrer
für Handel an der BBS I, betont: „Wir werden mit den Schülern so ernsthaft
umgehen, als wären sie schon in der Ausbildung. Die Schüler müssen sehen, dass
es Konsequenzen hat, wenn sie in der Schule fehlen; wie in der Ausbildung
auch:“ Im Gegenzug werden den jungen Menschen dann gute Chancen auf
dem Ausbildungsmarkt geboten. Die Schule wolle eine Plattform schaffen, auf der
Betriebe die Möglichkeit hätten, die Auszubildenden „in Aktion“ zu erleben, so
Lehrer Stephan Struß. „Bisher gab es nur das Bewerbungsgespräch. Jetzt können
die Unternehmen die Kandidaten schon in konkreten Verkaufssituationen sehen.“
Dadurch können die Arbeitgeber besser entscheiden, wer für einen
Ausbildungsplatz in Frage kommt. „Unser Ziel ist, dass die Betriebe, bevor sie
sich auf dem Arbeitsmarkt umsehen, erst in unsere Schule schauen, wen sie
ausbilden möchten.“ Dass von der engeren Zusammenarbeit alle Seiten profitieren
werden, davon sind Schulleitung und Handelshof gleichermaßen überzeugt. „Es ist
ein Win-Win-Konzept,“ sagt Schulleiter Getsch. Besonders den Schülern komme das
neue Programm zu Gute. Kooperationen mit weiteren Partnern sind deshalb auf
beiden Seiten bereits in Planung.
Lüneburger Landeszeitung / 18 Juli 2007

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