C+C-Betreiber erhält bessere Konditionen - Umdenken bei Nonfood mit Strauss Innovation
LZ|NET/acm.
Der Cash + Carry-Betreiber Handelshof sieht trotz des anhaltend
schwierigen Branchenumfeldes dank der Kooperation mit der Edeka-Gruppe gute
Marktchancen. Die Kölner versuchen sich im Schatten der großen Wettbewerber
Metro und Fegro/Selgros mit Regionalität und einem wechselnden Nonfood-Sortiment
zu differenzieren.
Von dem neuen Kräfteverhältnis der
Edeka-Gruppe, die mit Spar und Netto ein höheres Einkaufsvolumen erhält, kann
auch der Handelshof profitieren. Die Hamburger verhandeln Lieferanten national
für den rheinischen C + C-Betreiber mit.
Den vor knapp
zwei Jahren vollzogenen Wechsel von Dohle zur Edeka hat Wolfgang Baer nach
eigenen Angaben somit nicht bereut. "Das ist für uns ein wesentlicher
strategischer Schritt gewesen, wir haben bessere Konditionen, und das schlägt
auf das Ergebnis durch", sagt der Handelshof-Geschäftsführer.
Der
Mittelständler, der 14 Cash + Carry-Märkte führt, arbeitete 18 Jahre
mit Dohle zusammen. Seit Anfang 2004 ist der Handelshof nun an die Edeka
Rhein-Ruhr, die keine eigenen C + C-Märkte betreibt, angebunden und
kooperiert mit ihr in den Bereichen Ware und Logistik. Baer bezieht teilweise
Obst und Gemüse von der Edeka und führt zudem deren Eigenmarke Top-Kauf.
Seine Eigenständigkeit in Sortimentsfragen habe der Handelshof
allerdings behalten. In den auf Nordrhein-Westfalen, den Norden und Osten
konzentrierten Märkten fährt das Unternehmen ein auf die regionalen Bedürfnisse
ausgerichtetes Sortiment mit rund 5 000 Artikeln im Foodbereich.
Regionale Schwerpunkte
Die Kölner, hinter Metro, Fegro/Selgros und der
Edeka-Gruppe die Nummer Vier auf dem deutschen Cash + Carry-Markt,
sehen "langfristig nur durch eine Kooperation eine Chance, sich zu behaupten."
Für den Handelshof geht es darum, im Schatten des unangefochtenen
Marktführers Metro (5,8 Mrd. Euro Umsatz) und des Branchenzweiten Fegro/Selgros
regional wachsen zu können.
Der C + C-Bereich, der rund
11 Mrd. Euro Umsatzvolumen umfasst, ist in Deutschland von Stagnation geprägt.
Die Konjunktur und die Schwäche der Gastronomie machen dem SB-Abholgroßhandel zu
schaffen. Hinzu kommt der zunehmende Wettbewerb mit SB-Warenhäusern, die mit
Familienpackungen und preisaggressiven Angeboten Gastronomen anziehen.
Gezielte Kundenansprache
Die Branche reagiert mit sinkenden Preisen auf die
Flaute und versucht, Kunden gezielter anzusprechen. Baer: "Der Preisverhau ist
die Achillesverse der Branche. Die Spannen geraten unter
Druck."
Kunden hätten sich bei "Eins plus Eins gleich
Drei"-Aktionen der Metro auf Vorrat eingedeckt, was auch der Handelshof
teilweise zu spüren bekommt. Mit der Marketingpower des Branchenführers kann der
Handelshof nicht mithalten und reagiert "individuell auf Preisabschläge" der
Großen.
Zwar hat der Handelshof im dritten Quartal insbesondere
aufgrund der Eröffnung des zweiten Marktes in Köln ein Umsatzplus von 3 Prozent
auf 409 Mio. Euro erzielt. Flächenbereinigt fällt ein leichter Rückgang von 0,2
Prozent an. Der C + C-Betreiber würde sich ohne seinen
Zustellgroßhandel aber noch schlechter stellen.
Baer hat 60 eigene
Lkw im Fuhrpark und sieht das Geschäftsfeld, das 15 Prozent Umsatzanteil
ausmacht, als Wachstumsbereich: "Gastronomen haben weniger Zeit und Muße
einzukaufen." Der Service, als Mischkalkulation aufgestellt, sei ein
Differenzierungsmerkmal.
Lifestyle als
Wachstumssegment
Aus diesem Grund hat Baer auch beim
Nonfood-Geschäft umgedacht, das im C + C-Bereich schwierig geworden
ist. Zu viele Langsamdreher liegen angesichts eines Überangebotes in den
Märkten.
Der Handelshof hat die Kategorien Autozubehör und
Gartenbereich aufgegeben, dafür den Bereich Lifestyle herausgestellt. "Wir
verabschieden uns von herkömmlichen Sortimenten und streben einen modernen
Auftritt an", so Baer. Das Unternehmen wolle weg von der Festplatzierung
zugunsten schnell drehender, wechselnder Nonfood-Artikel.
Wie das
aussehen kann, testet der Handelshof in zwei Märkten mit dem
Wohnaccessoires-Anbieter Strauss Innovation. Im Stil einer Einrichtungswelt
können nun Gastronomen neue Deko-Anregungen für ihre Häuser finden. Alle zwei
Wochen ändert sich das Sortiment, um Abwechslung und Frequenz in den Bereich zu
bekommen.
Vorbild sind die vertikalen Konzepte des Modeanbieters
H & M. Bis Mitte 2006 will der Handelshof die Kooperation mit
Strauss Innovationen in allen Märkten umsetzen.
Lebensmittelzeitung - Nr 43 - 28. Oktober 2005

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