Im April eröffnete Handelshof in Köln-Müngersdorf seinen 14. Cash&Carry-Markt.
Ein Rundgang macht deutlich, wodurch sich der mittelständische Großhändler seiner mächtigen Konkurrenz gegenüber behauptet: Konsequente Spezialisierung auf den Gastronomen mit großem Frische-Angebot und viel Service.
Was macht David angesichts des Riesen Goliath? Er lässt
nicht die Muskeln spielen, er lässt sich etwas einfallen. „Wir können nicht nach
Preisführerschaft streben“, erklärt Herbert Jansen, Leiter Vertrieb beim Cash
& Carry-Anbieter Handelshof in Hinblick auf den Marktführer Metro. „Wir sind
kein Global Player. Wir streben eine regionale Qualitätsführerschaft an, indem
wir uns als Partner der Gastronomie positionieren und uns durch Dienstleistung
und Service differenzieren.“ Karl-Heinz Plum, Leiter Category Management
Nonfood, ergänzt: „Wir sind kein diskontierender C&C-Markt, wir definieren
uns als markenbewusstes und lieferantentreues C&C-Unternehmen."
Wie
sich dieser Anspruch in der Praxis darstellt, zeigt der im April dieses Jahres
eröffnete neue Handelshof-Abholgroßmarkt in Köln-Müngersdorf. Im Radius von fünf
Kilometern Luftlinie befinden sich sowohl ein Fegro- als auch ein
Selgros-C&C-Markt, auch die nächste Metro-Niederlassung und die Konkurrenz
aus dem eigenen Hause im rechts-rheinischen Köln-Poll sind nicht weit, dort
befindet sich auch die Zentrale des Unternehmens, das in Nordrhein-Westfalen, im
Hamburger Raum und in Mecklenburg-Vorpommern insgesamt 14 C&C-Märkte
betreibt. Mit 8.500 qm Verkaufsfläche besitzt der neue Markt eine mittlere
Handelshof-Größe, das Unternehmen betreibt Märkte zwischen 14.000 und 3.500 qm.
Allerdings leistet er sich dazu 1.500 qm Service-Nebenfläche alleine im
Frischfleisch- und Frischfisch-Bereich. Das zeigt: Die Ausrichtung des neuen
Marktes auf die „Zielperson", den Gastronomen, wurde konsequent umgesetzt. Beim
Betreten empfangen den Gewerbetreibenden die 300 qm große Obst- und
Gemüseabteilung mit Atmosphäre schaffenden Dekorationen und Spezialbeleuchtung
von Bäro, ferner ein Backshop sowie ein Wein-Degustationsstand. „Damit begründen
wir gleich eine Erwartungshaltung zur Frische", so der Vertriebsleiter. Ein
Beamer wirft in der O+G-Abteilung die tagesaktuellen Preise der Frischwaren an
die Wand. Zum ersten Mal wurde bei Handelshof das umfangreiche TK-Sortiment im
vorderen Bereich des Marktes vor der Checkout-Zone und gegenüber der
0+G-Abteilung positioniert. „Das entspricht ganz klar unserem Konzept ,KiM -
Kunde im Mittelpunkt'", erläutert Herbert Jansen das Konzept der kurzen Wege.
Der gesamte Nonfood-Bereich befindet sich im hinteren Teil des Marktes. Der
stets eilige Gastronom kann also entscheiden, ob er nach Wein und
Trockensortiment diesen Bereich betreten will oder aber rechts liegen lässt und
sich unmittelbar dem Frische-Bereich nach links zuwendet. Ebenso listige wie
lästige Zwangsführungen wurden ausgeschlossen.
Herzstück Metzgerei
Herzstück des neuen
Handelshof-Marktes ist die eigene Metzgerei; das SB-Fleisch wird selbst zerlegt.
Es gibt einen Zerlegeraum, jeweils einen großen Kühl- und Tiefkühlraum für
Fleisch, einen separaten Hackfleischraum und eine Räucherkammer. In einem
kleinen Frühstücksraum werden bei Kaffee und Brötchen mit dem Kunden Aufträge
besprochen. „Wir können dem Kunden einen Hinterschinken räuchern, wir können ihm
nachmittags 40 Kilo Hackfleisch für den Abend durchdrehen. Wir können ihm, wenn
er will, den Schinken achteckig und den Fisch dreieckig schneiden“, bringt
Herbert Jansen den Service- und Dienstleistungsgedanken auf den Punkt. In der
kleineren Fischtheke werden die Meeres- und Teichbewohner appetitlich auf
gestoßenem Eis präsentiert. Krönung ist am Tage des Besuchs ein (noch) ganzer
Red Snapper. Im Gegensatz zu vielen anderen C&C-Märkten wird jeder Fisch auf
Wunsch fachgerecht filetiert. Das ca. 50.000 Artikel umfassende Food-Sortiment
(Nonfood 30.000) wird in C&C-üblichen Regalen präsentiert. In die
Schwerlastregale, die oben der Lagerung dienen, sind unten Verkaufsregale mit
abgeblendeter Lichtleiste separat eingestellt. 50 Regalköpfe dienen der
Vorstellung und Einführung neuer Produkte. Jeder Handelshof wird individuell
eingerichtet, da er immer speziell auf die Erfordernisse der Region hin
konzipiert wird. Eine eigene Ladenbau-Abteilung unterhält Handelshof nicht.
Herbert Jansen, verantwortlich für Food, und Karl-Heinz Plum, verantwortlich für
Nonfood, planen die Einrichtung in bewährter Zusammenarbeit mit den
Regalierungsfirmen Lucht GmbH, Pulheim, für Schwerlast und Otto Kind AG,
Marienheide, für Verkaufsregale. Was die Beleuchtung angeht, arbeitet man mit
der Firma Icon Lichtsysteme, Saarbrücken, zusammen.
Optisch vielfältiger sind
die Präsentationsformen in der Nonfood-Abteilung, die um langsam drehende
Sortimente wie DIY, Autozubehör und Gartenartikel bereinigt und auf das Thema
„Lifestyle/Living" ausgerichtet wurde. Um dem Gastronomen das Einkaufen effektiv
zu gestalten, liegt zwischen Food und Nonfood zunächst ein Nearfood-Bereich, wo
zum Beispiel Kerzen und Servietten farblich sortiert zusammengefasst
werden.
Shop-in-Shops
In der Nonfood-Abteilung
findet sich die moderne Präsentationsform der Shop-in-Shops etwa für Textilien.
Für Damen wurde die Eigenmarke „Marie Kline" in Zusammenarbeit mit der Firma
Steilmann entwickelt. Auf den „mittelmodischen Herrn" ist die Eigenmarke „Chevy"
zugeschnitten. Blickfang der Nonfood-Fläche ist der „Trendshop", der im Stil
einer Einrichtungswelt den Gastronomen Deko-Anregungen und Accessoires bietet.
Die in kurzen Abständen wechselnden Präsentationen werden nach Farbthemen
gestaltet sowie nach thematischen Anlässen wie Ostern, Bayern-Wochen, Halloween
oder St. Martin. Bei der Fußbodengestaltung kommt hier in Abwechslung zum
funktionalen Schwerlastboden ein stimmungsvoller elastischer Belag in dunkler
Holzplanken-Optik von Objectfloor zum Einsatz. Der Trendshop entspringt einer
Kooperation des Handelshof mit der Firma Strauss Innovation. In der
anschließenden Geräte- und Technikabteilung sowie für Büro und Papier „leisten
wir uns noch Bedientheken", betont Karl-Heinz Plum. Herbert Jansen dazu
deutlich: „Unsere Mitarbeiter werden so qualifiziert, dass sie nicht vor dem
Kunden weglaufen, sondern auf ihn zugehen.“ Die Handelshof-Organisation arbeitet
nicht mit einem Zentrallager, die Logistik ist dezentral organisiert. So stimmt
auch die Filiale Müngersdorf das gesamte Liefergeschehen direkt mit den
Herstellern ab. Es gibt in Müngersdorf eine Warenannahme; die Metro hat im
Vergleich dazu für jeden Warenbereich eine eigene Warenannahme, so Jansen. Für
Obst und Gemüse gibt es eine gekühlte Nachtanlieferung. Außerdem sei man dabei,
eine Nachtverräumung zu installieren, „um den Kunden beim Einkaufen so wenig wie
möglich zu belästigen.“ Was die Warenbeschaffung und die Logistik angeht, gibt
es seit 2004 eine Kooperation der Handelshof-Gruppe mit der Edeka Rhein-Ruhr,
die keine eigenen C&C-Märkte führt. Im Sinne seiner Service- und
Dienstleistungs-Positionierung betreibt der Handelshof einen Liefergroßhandel.
Kernstück ist der Außendienst, der akquiriert, die Kunden betreut, die
Bestellungen einholt und „dem Kunden mal in einer ganz anderen Atmosphäre
gegenübersitzt und ihn fragt: Was gefällt Ihnen bei uns nicht?“, also Kritik und
Optimierungsvorschläge erfährt und weitergibt. Daneben ist die Bestellung per
Telefon, Fax und Internet möglich. Die Kommissionierung für den Liefergroßhandel
erfolgt auch im Markt in Müngersdorf, separate Kommissionierläger werden nicht
betrieben. Der Markt verfügt über einen eigenen Fuhrpark mit
Kühl-Lkw.
Show-Cooking
„Gastronomen machen rund 55
Prozent unseres Umsatzes aus", konkretisiert Kai Patrick Merleker, einer der
drei Geschäftsführer der Handelshof Management GmbH. Eine weitere wichtige
Zielgruppe innerhalb der restlichen „gewerblichen Endverbraucher" sind
Kioskbetreiber, die laut Herbert Jansen freier disponieren können als
Tankstellenshop-Betreiber. Gerade auch das Tiefkühlsortiment des Handelshof ist
auf spezielle Bedürfnisse von Kioskbetreibern eingestellt. Truhen und Schränke
der jeweils etliche Hundert laufender Meter Tief- und Normalkühlung stammen von
Linde. Betrieben wird jeweils eine Verbundanlage für TK und NK mit Gasabtauung,
wodurch „Schnee" in Beutelware vermieden wird. Nachts werden die Kühlmöbel mit
Rollgittern zugezogen. Es gibt nur drei steckerfertige Truhen für Aktionen am
Checkout, der seinerseits mit zehn Kassen des Herstellers Harr mit dem
C&C-üblichen „Ausstieg" zum Scannen von Großgebinden ausgestattet ist. Im
Obergeschoss des neuen Marktes befinden sich weitere 1.800 qm Nebenflächen. Dazu
zählt auch ein Stolz des Hauses, die Profiküche für das Show-Cooking mit
angeschlossenem Speiseraum. Die Koch-Events finden immer in Zusammenarbeit mit
den Herstellern statt und dienen natürlich der Bekanntmachung und Vermarktung
neuer Produkte wie jüngst zum Beispiel dem neu ins Sortiment aufgenommenen
amerikanischen Rindfleisch, das von typischen Fettadern durchzogen ist.
Gleichzeitig wurde das hauseigene Metzgerei-Personal in der produktgerechten
Zerlegung geschult. Es gibt Koch-Events, zu denen der Gastronomie-Nachwuchs
eingeladen wird. Dadurch werden die jungen Köche als Kunden ans Haus gebunden.
Geplant sind Weinseminare. Die Module dieser Profiküche werden vom Handelshof
vertrieben.
Der Speiseraum ist hochwertig eingerichtet in hellem,
freundlichem Holz in betont moderner Optik. Hier findet sich auch der elastische
Bodenbelag in naturidentischer dunkler Holzoptik mit einem Silber-Finish. Die
Showküche ist unabhängig vom Markt erreichbar und kann sowohl außerhalb der
Geschäftszeit als auch von anderen Handelshof-Niederlassungen genutzt werden.
Wichtiger als eine allgemeine „atmosphärische" Aufwertung der C&C-Häuser ist
für Herbert Jansen der Mut zur Spezialisierung- und diese dann konsequent
auszuleben. Er kann sich vorstellen, als Spezialist für die Gastronomie lebende
Fische zu halten und ein oberhalb der Feinkost angesiedeltes
Delikatessen-Sortiment aufzunehmen. „Der C&C-Bereich wird sich ausrichten
müssen. Wir müssen uns vom Wettbewerb und vom immer ähnlicher werdenden
Verbrauchermarkt absetzen.“ Nonfood-Chef Karl-Heinz Plum fügt eine weitere
Facette hinzu: „Als Mittelständler muss man einfach schneller sein. Unsere
Stärke ist, dass wir kurzfristig etwas ändern oder modernisieren können. Diesen
Vorsprung wollen wir uns erhalten.“ Für die Behauptung eines Kleinen gegen eine
größere Übermacht war Beweglichkeit schon immer ein probates
Mittel.
Stores+Shops Nr. 05/2005 - Sabine Wilhelm

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