Supertrend Bowls

Die Idee ist so einfach wie bestechend: Sämtliche Zutaten werden in der Küche vor- bzw. zubereitet und dann in einer einzigen Schüssel oder Schale pro Person serviert. Das kennen wir von überbackener französischer Zwiebelsuppe oder von Eintöpfen aller Art ja schon längst. Bei einer modernen Bowl besteht aber ein wichtiger Unterschied zu unseren Küchenklassikern, denn es ist von entscheidender Bedeutung, dass die einzelnen (frischen, weitgehend unverarbeiteten), meist farbenfrohen Zutaten keinesfalls auf irgendeine Weise miteinander vermischt, sondern aufs Sorgfältigste drapiert und kunstvoll zueinandergelegt werden.

Und egal, ob Sie Ihre Bowl herzhaft mit Fleisch, Fisch, Gemüse und Reis aufbauen oder frugal aus Obst, Getreide, Nüssen und Samen oder ob Ihnen der Sinn nach einer Müsli-Bowl steht: Es wird immer geschichtet und immer aneinander ausgerichtet. Am besten in einer besonders hübschen Schüssel und am besten mit viel Sorgfalt und einer gewissen Hingabe.

Fangen wir in Korea an

Dass der Ursprung des Megatrends irgendwo im pragmatischen und zur schlichten Ästhetisierung neigenden Asien liegen muss, war ja irgendwie klar. So ist zum Beispiel das „Bibimbap“ ein sehr beliebtes und uraltes Traditionsgericht, das bis heute aus der koreanischen Küche überhaupt nicht wegzudenken ist. Wie es geht? In einer Schale werden zahlreiche einzelne Zutaten – meist auf einer Grundlage aus Reis – über- und nebeneinander angerichtet, mit einem rohen oder gekochten Ei getoppt und dann so heiß wie möglich aufgetischt. Erst am Tisch verrührt man das Ganze miteinander – oder man lässt es so, wie es ist, und erfreut sich am jeweiligen Eigengeschmack der einzelnen Zutaten, die sich dann erst im Mund zu einem Gesamtkunstwerk miteinander verbinden.

Jetzt die Angelsachsen

Die sogenannte Clean-Eating-Bewegung hat ihren Ursprung bei drei britischen Kochbuch-Autorinnen, die es für eine gute Idee hielten, auf die Qualität (bio) und die gesundheitsfördernden Aspekte ihrer Ernährung zu achten. Und weil sie wussten, dass das Auge eben immer mitisst, entwickelten sie die Idee, nicht nur die tollsten frischen Zutaten herzunehmen und am besten auch vegetarisch, wenn nicht vegan vorzugehen, sondern das Ganze dann auch noch optisch besonders ansprechend zu gestalten – und in nur einer Schüssel anzurichten.

Dann passierte etwas Erstaunliches: Weil die drei natürlich sehr stolz auf ihre jeweiligen Kreationen und deren Aussehen waren, machten sie Fotos und luden sie bei Instagram & Co. hoch. Tage später (na ja – wenige Wochen) setzte dann im hippen Kalifornien ein gewaltiger Bowl-Boom ein, der sich von dort (und eben nicht von Großbritannien aus) innerhalb weniger Monate einmal um die Welt spannte: Fortan waren Bowls das große neue Ding in der Küche – zumindest bei denjenigen Leuten, die nicht nur gut digital vernetzt waren, sondern auch besonderes Augenmerk auf sich und ihren Lebensstil legten. Wer möchte, der kann bei Google ja mal den Begriff „Bowl-Rezepte“ eingeben. Als dieser Text vor wenigen Tagen entstanden ist, wurden da bereits immerhin ca. 25.000.000 Treffer angezeigt.

 

Babylonische Bowl-Bezeichnungen

Der Food-Bowl-Trend hat viele Namen, die mehr oder weniger genau den Inhalt der Schüsseln beschreiben. Sehr allgemein werden die Schüsselgerichte als „Food-Bowl“ (das kann ja nun wirklich alles enthalten oder sein) oder „Buddha-Bowl“ bezeichnet (das ist schon besser, weil Buddha-Bowls herzhaft schmecken und oft auch Fleisch oder Fisch enthalten), wohingegen Veggie-Bowl, Vegan Bowl, Rainbow-Bowl oder Detox-Bowl konkreter beschreiben, was in die Schüsseln kommt bzw. was nicht: vegetarisch, vegan, bunte Lebensmittel oder Zutaten zum Entgiften, wobei man hier nicht jedem Marketingversprechen Glauben schenken sollte.

Aus Hawaii? Echt jetzt?

Ach so! Und dann ist da noch die Sache mit der „Poke-Bowl“, die dazu geführt hat, dass viele Menschen glauben, das typische Bowl-Food hätte seinen Ursprung in Hawaii, was so natürlich nicht stimmt. Es ist zwar richtig, dass die hawaiianischen Fischer oft aus Schüsseln gegessen haben, aber das war eher der Not geschuldet bzw. der Praktikabilität eines Lebens auf oder am Meer.

„Poke“ ist nichts anderes als ein hawaiianischer Salat aus frischem, rohem Fisch, Algen, eventuell etwas Sojasoße, Limettensaft und ein paar Früchten – in Hawaii ein absolutes Nationalgericht, das nicht zwingend aus Schüsseln, sondern dann eben aus tieferen Tellern gegessen wird. In einer hübschen Schale sieht das kerngesunde Poke aber einfach besser aus, was es für Bowls natürlich prädestiniert.