Kaffee

Die Kaffeefahrt

Weil unsere Reise zum Thema Kaffee uns ohnehin mehr oder weniger einmal um den Globus schicken wird, ist es im Grunde ziemlich egal, wo genau wir sie starten. Fangen wir also in Finnland an. Warum? Wieder so eine Sache, auf die man nie im Leben von selber kommen würde, aber Finnland hat den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch an Kaffee der Welt: um die 8,5 Kilogramm, was ca. 1.300 Tassen im Jahr oder etwas mehr als 3,5 Tassen pro Tag bedeutet. Nach Finnland kommen übrigens Norwegen und Schweden, was man so wahrscheinlich auch nicht vermuten würde.

Unabhängig davon ist und bleibt Kaffee das beliebteste Getränk in Deutschland, mit um die 130 Litern pro Jahr konsumieren wir etwa 7 Kilogramm im Jahr oder etwa 2,5 Tassen am Tag. Dagegen muten die USA mit ihren 4,2 jährlichen Kilo bzw. knapp 2 Tassen am Tag geradezu lächerlich bescheiden an.

Die Entdeckung der Kaffeebohne

Kaffee also. Mit großer Wahrscheinlichkeit begann die Pflanze ihren Siegeszug im heutigen Äthiopien in einem jetzt untergegangenen Königreich mit dem schönen Namen „Kaffa“. Nun ging es richtig los: Wahrscheinlich über Sklavenhändler gelangte er irgendwann im 14. Jahrhundert zunächst nach Arabien, wo Kaffee dann sehr erfolgreich im heutigen Jemen angebaut wurde und dem arabischen Raum eine einmalige Monopolstellung verschaffte, deren Handelszentrum eine Hafenstadt namens „Mokka“ war. Und wo wir schon bei diesen interessanten Namen sind: Das arabische „qahwa“ und später das türkische „kahve“ bedeuten übersetzt entweder „Wein“ oder „anregendes Getränk“.

Und nur der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle erwähnt, dass der Begriff „Bohnenkaffee“ nicht darauf hinweist, dass die Bohnen noch nicht gemahlen wären, sondern nur die Reinheit des Produktes selbst beschreibt: „bunn“ heißen auf Arabisch die Kaffeebohnen, „bunn“-Kaffee ist also aus reinem Kaffee und nicht aus irgendwelchen Ersatzstoffen gewonnen worden.

Gleich wird’s ironisch, denn wir sind ja lange noch nicht fertig mit unserer Reise. Zunächst einmal eroberte der Kaffee von Arabien aus Persien und kurz darauf das Osmanische Reich. Nach einigem Hin und Her wurde das Getränk hier endlich öffentlich erlaubt, die ersten Kaffeehäuser entstanden und natürlich gelangten Kaffeekenntnis und -begeisterung auch recht bald nach Europa: 1645 kam das Luxusgut nach Venedig, 1650 nach Oxford, 1660 nach Marseille, 1673 nach Bremen und – erstaunlich genug – erst 1685 nach Wien.

Der Kaffee war ein echter Renner und jetzt kamen die Holländer ins Spiel. Bislang wurde die Pflanze nur in Arabien und Afrika angebaut, was den findigen holländischen Kaufleuten und Kolonialisten überhaupt nicht in den Kram passte, weil sie hier einfach kein Land besaßen. Andererseits, müssen sie sich wohl gedacht haben, herrschten sie ja schließlich über ganz Niederländisch-Indien, was das heutige Indonesien und noch ein paar Inseln mehr umfasste: ein riesiges Gebiet mit den perfekten Lebensbedingungen für die recht anspruchsvolle Pflanze. So machte sich der entsprechende Gouverneur Jan van Hoorn daran und pflanzte ab 1690 in Sri Lanka und Java Kaffee an. Die Ironie dabei ist, dass er hierzu Samen aus Arabien verwendete und nicht die aus Afrika, gleich mehr dazu. Jedenfalls stiegen nicht viel später die Franzosen ins lukrative Kaffeegeschäft ein und produzierten in Guayana, Guadeloupe und Martinique. Irgendwann hatten es dann auch die Portugiesen kapiert und schickten mit großer Begeisterung ihre brasilianischen Sklaven in die Plantagen.

Jetzt kommt noch mehr Ironie. Die drei Kolonialmächte erzeugten dermaßen viel Kaffee, dass sie ihn kalt lächelnd nach Osmanien exportierten, woraufhin der jemenitische Anbau so gut wie zum Erliegen kam. Wir erinnern uns: Osmanien galt als das Sprungbrett des Kaffees nach Europa. Und damit ist unsere Kaffee-Weltreise einmal um den Globus zu Ende.

Zwei von Vielen

Wir kennen zwar über 120 Kaffeearten, allerdings kultivieren wir im Grunde genommen nur zwei davon: „Robusta“ (auch Tieflandkaffee) und „Arabica“ (auch Bergkaffee oder Javakaffee), das sind mit ca. 98 % Anteil am Welthandel die mit Abstand am häufigsten angebauten Sorten. Und wenn Sie Lust auf noch mehr Ironie haben sollten: „Robusta“ wird überwiegend in Westafrika, Uganda, Indonesien, Vietnam, Brasilien und Indien angebaut und „Arabica“ in Lateinamerika, Ostafrika, Indien und Papua-Neuguinea. Sozusagen überall, nur nicht in Arabien …

Jetzt sind Sie dran!

Wir werden an dieser Stelle gar nicht erst damit anfangen, über die verschiedenen Zubereitungsmethoden, die verschiedenen Röstungen oder den perfekten Mahlgrad zu referieren – das würde erstens viel zu weit führen und zweitens unterscheidet sich die Zubereitungsart des Kaffees ohnehin je nach Kultur, nationalen Gepflogenheiten, Gewohnheiten und persönlichem Geschmack.

Wenn Sie sich allerdings für Kaffeespezialitäten aus aller Herren Länder interessieren, dann geben Sie bei Wikipedia mal den Suchbegriff „Liste von Kaffeespezialitäten“ ein. Sie werden aus dem Staunen nicht herauskommen.