Kresse

Gartenkresse, Brunnenkresse, Kapuzinerkresse

Das ist ganz schön ungerecht: Obwohl Kresse so ziemlich das Gesündeste und Leckerste ist, was man sich an Frische auf den Teller legen kann, führt sie oft ein Mauerblümchen-Dasein. Ab und zu mal auf ein Eibrötchen oder ein bisschen Salat geschnippelt, gerät Kresse meist schnell wieder in Vergessenheit, bis man sich des kleinen Schälchens beim übernächsten Supermarktbesuch vielleicht wieder erinnert.

Dabei sind die saftig-würzigen Stängelchen viel mehr als reine Dekoration: Sie strotzen nur so vor Vitamin C und B, Mineralstoffen und Eisen, kommen mit leichter, sehr wohltuender Schärfe und zergehen förmlich auf der Zunge.

2014 hat das US-Ministerium für Krankheitsbekämpfung und Prävention sogar eine Liste der empfehlenswertesten Obst- und Gemüsearten herausgebracht, auf der die Kresse – ganz im Ernst – auf dem ersten Platz landet. Zum Vergleich: Weit hinter Mangold und Spinat belegt die Zitrone hierbei als erstes Obst nur Platz 28. Nun gut, man könnte jetzt einwenden, dass der kerngesunde Apfel es nicht mal unter die Top 40 schafft, was die Qualität der Liste insgesamt vielleicht ein kleines bisschen fragwürdig erscheinen lässt, aber immerhin.

Woher die Kresse stammt und warum sie Kresse heißt

Kresse, zumindest die Gartenkresse, gilt als ganz besonders anspruchslos. Ein bisschen Wasser dazu und schon keimt sie mit Begeisterung los. Ernte nach fünf bis sechs Tagen – schneller wächst in der Tat kein Gemüse und so ist es kein Wunder, dass ihre wilde Urform wohl entweder aus Nordafrika und aus Südwestasien stammt oder aus den Wüstenregionen des alten Ägypten. Auf jeden Fall haben die Menschen sehr schnell ihre Vorzüge zu schätzen gelernt und sie umgehend auf ihre Speisekarten gesetzt. Selbst den Pharaonen wurden Kressesamen mit auf die Reise ins Jenseits gegeben.

Neben der ultimativen Frische und ihrer Saftigkeit war es vor allem ihre elegante Schärfe, die die Menschen zu schätzen wussten, und als sie dann endlich auch von den Römern entdeckt, kultiviert und über die Alpen exportiert wurde, brauchte sie einen griffigen Namen: Ziemlich wahrscheinlich ist, dass das nordische Wort „kras“ (Leckerbissen) oder das lettische Wort „griezīgs“ (scharf) hier Pate standen und es dann später als „chresso“, „kresso“ und „kressa“ ins Althochdeutsche schafften.

Insgesamt sind bisher 80 bis 90 Kressearten bekannt, die berühmtesten - zumindest in unseren Breiten - sind Garten-, Brunnen- und Kapuzinerkresse.

Gartenkresse

Als waschechtes Kreuzblütengewächs ist Kresse mit verschiedenen Kohlarten sowie mit Raps, Senf, Wasabi und Rucola verwandt. Stichwort Senf: Ihre würzige Schärfe verdankt die Gartenkresse Senföl-Glycosiden, also schwefel- und stickstoffhaltigen Verbindungen, die in vielen Kreuzblütengewächsen enthalten sind.

Die Pflanze ist einjährig und erreicht – wenn man sie denn lässt – Wuchshöhen von bis zu 40 Zentimetern. Meist wird sie aber bereits im Keimling- oder Jugendstadium geerntet.

Darf sie sich entwickeln, so bildet sie hellgrüne, längliche Laubblätter aus. Die winzigen Blüten sind weiß bis hellrosa. Nach der Bestäubung entstehen kleine, rundliche Schoten, die die Samen enthalten. Man kann sie also einfach auch mal wachsen lassen, warten, bis die Samenkapseln braun und trocken sind, die Samen ernten und ab da jederzeit selber züchten.

Brunnenkresse

Bei der Brunnenkresse ist der Name Programm: Sie gedeiht in klarem, kühlem, fließendem Wasser, was ihre Aufzucht anspruchsvoller macht – daher ist ihr wohl auch nie der ganz große Durchbruch gelungen. Dennoch gilt ihr Geschmack als deutlich feiner und eleganter als der der Gartenkresse. Immerhin war Napoleon dermaßen begeistert von der Brunnenkresse, dass er im Jahr 1809 kurzerhand einen Brunnenkresse-Gärtner nebst Samen und entsprechendem Know-how aus Erfurt mitnahm und die Brunnenkresse fortan in der Nähe von Versailles anbauen ließ.

Die botanische Bezeichnung der Brunnenkresse „nasturtium officinale“ leitet sich übrigens wahrscheinlich vom lateinischen „nasi-tortium“ ab, was übersetzt nichts anderes bedeutet als „Nasen­Qual“ (nasus Nase und torquere quälen). Klar, auf was sich dieser Begriff bezieht: auf die Senföl-Glycoside.

Kapuzinerkresse

Seltsam: Obwohl der Name das ja eigentlich nahelegen sollte, ist die Kapuzinerkresse so gut wie gar nicht mit der Garten- oder Brunnenkresse verwandt. Andererseits ist das auch nicht wirklich überraschend, denn mit ihren ziemlich großen, fast kreisrunden Blättern und ihren besonders auffälligen Blüten erinnert sie schon rein optisch kaum an ihre kleineren Kollegen. Ihren Namen verdankt die Pflanze wohl auch ebendiesen Blüten, weil sie auf gewisse Weise den Kapuzen von Mönchskutten ähneln.

Die Blüten sind nicht nur recht hübsch, sie sind auch essbar, was sie ganz klar für den Einsatz in der gehobenen Küche prädestiniert. Auch die noch unreifen Samenkapseln sind für den ambitionierten Koch eine interessante Sache: In Essig und Salzwasser eingelegt, erinnern die kleinen grünen Kugeln ganz deutlich an Kapern.