Ramen

Der Namensgeber

Bei der typisch japanischen Nudelsuppe, die übrigens gar nicht aus Japan stammt, ist so etwas Ähnliches passiert, wie bei uns mit „Tesa“, „Tempo“ oder „Uhu“: „Ramen“ ist nämlich eigentlich gar keine Suppe, sondern schlicht das japanische Wort für „Nudeln“.

Durch den sagenhaften Erfolg des wunderbaren Tellergerichtes, das entsteht, wenn man Nudeln in eine Suppe kocht, ist es aber dazu gekommen, dass „Ramen“ zum Synonym für die japanische Nudelsuppe wurde – ebenso wie sich bei uns „Tesa“ (jedweder Klebestreifen), „Tempo“ (irgendein Papiertaschentuch) oder „Uhu“ (allgemeiner Bastelkleber) zu den entsprechenden Universalbezeichnungen entwickelt haben.

Der Durchstarter

Egal! Um sich den unfassbaren Erfolg der Ramen, vor allem in Japan und im asiatischen Raum allgemein, vor Augen zu führen, helfen vielleicht ein paar Zahlen: Alleine in Tokyo existieren 5000 rein auf Ramen spezialisierte Restaurants (Ramen-ya), und in ganz Japan so um die 200.000. Dazu kommen noch die zahllosen mobilen Verkaufsstände (Yatai) und die entsprechenden Stehimbisse (Tachigui). Hier geht es wohlgemerkt nicht um Nudelgerichte allgemein, sondern wirklich nur um die Suppe. Wenn es in Asien also ein typisches Fast-Food gibt, dann ist es definitiv die Ramen.

So groß die Anzahl der Ramen-Läden, so vielfältig die Rezepte. Diese reichen von ganz einfachen Soja oder Miso-basierten Suppen mit ein bisschen Gemüse und eben den Nudeln bis hin zu komplexen, vornehmen und reichhaltigen Speisekreationen, aus denen man sich frei bedienen kann. Wahrscheinlich würde ein Mensch es in seinem ganzen Leben nicht schaffen, alle Rezepte einmal zu probieren, selbst wenn er sich dreimal am Tag etwas anderes aussuchen würde.

Der Kern der Sache

Allen Ramen gemein ist natürlich die Nudel selbst. Meistens relativ bissfest, in guten Restaurants oft handgezogen, enthält sie nur Weizenmehl, Salz und ein bisschen Wasser. Manche Köche schwören auf ein Ei zum Teig, andere benutzen ausschließlich Wasser aus einem ganz bestimmten See in der inneren Mongolei (Kansui), durch dessen spezielle Mineralien sich der Teig gelblich färbt und die Traditionalisten, die wissen, dass die Ramen ursprünglich aus China stammt und aus Buchweizenmehl hergestellt wurde, setzen auf dieses Rezept (Soba). Bei uns dürfte die „Udon“ am bekanntesten sein: sie ist recht kräftig, weich bis elastisch und eher cremefarben.

Am besten ist es natürlich, wenn die Nudeln sofort nach ihrer Handfertigung ganz frisch in die Suppe kommen, allerdings bekommt man Ramen mittlerweile auch vorgedämpft und luftdicht verpackt, trocken (das sind dann die „Asia Quick Noodles“, die es auch im Supermarkt gibt) und – als nicht so empfehlenswerte Ware - als „Cup Noodles“ im Plastikbecher, die nur mit heißem Wasser aufgegossen werden und in zwei Minuten und fertig gewürzt verzehrfähig sind. Naja.

Der Siegertyp

Als traditionelles japanisches Gericht sollte man Ramen eigentlich gar nicht betrachten, denn ihr Siegeszug begann erst gegen Mitte des 19. Jahrhunderts und ganz besonders mit dem Ende des 2. Weltkriegs, als die Weizenpreise fielen und viele Soldaten aus anderen asiatischen Ländern heimkehrten und die entsprechenden Gerichte und Rezepte von dort mitbrachten.

Aber egal, wann, wo oder warum, bleibt eine Sache unumstößlich stehen: Eine anständige Nudelsuppe, kräftig gewürzt, weckt nicht nur unmittelbar die Lebensgeister wieder – sie ist auch blitzschnell verzehrt und macht auch noch richtig Spaß, wenn man die die Nudeln mit Stäbchen isst, sie demnach einfach schlürfen MUSS und den Sud danach direkt aus Schale, Tasse oder Becher trinkt.

Der Allrounder

Außer Nudeln und Sud kann so ziemlich alles rein oder dazu: Ei, Huhn, Fisch, Rind, Schwein, jedes Gemüse, Algen, Pilze, Chilis, Gewürze – wirklich alles, was das Herz begehrt. Allerdings ist es nicht besonders typisch, alles das im Sud durchzugaren oder auszukochen. Sehr oft werden die Beilagen separat vorbereitet und erst zum Servieren frisch zu der Nudelsuppe in die Schale gegeben. Eine Ramen macht – so einfach und schlicht sie sich auf den ersten Blick auch anhören mag – meistens sehr schnell sehr satt – was ja gerade bei Fast-Food ein sehr gewollter Effekt ist. Wenn Sie also keinen allzu großen Hunger haben, dann bestellen Sie sich lieber erst einmal eine kleinere Portion.

Der schlichte Hochgenuss

Weil eine solche Köstlichkeit es einfach nicht schaffen kann, sich auf Dauer mit einer Handvoll Ländern zufrieden zu geben, kommt die Welle zum Glück allmählich auch bei uns an und es entstehen mehr und mehr Restaurants, die sich auf das Gericht und alles Drum und Dran spezialisiert haben.

Mit ein bisschen Zeit und Geduld ist es aber absolut kein Problem, sich auch in der heimischen Küche mal dranzugeben: Vor- und Zubereitung sind einfach, die Zutaten nicht besonders „exotisch“ und das Ergebnis eine wahre Pracht.