Riesling

Drei für einen

Die Rebe, der wir heutzutage den edlen Riesling-Wein verdanken, ist eigentlich gar kein reinrassiger Riesling. Vielmehr ist die Sorte das Ergebnis einer sehr gelungenen oder glücklichen Kombination aus drei vollkommen unterschiedlichen Weinen, von deren verschiedenen Genen die perfekten Eigenschaften herrühren, die den Riesling so einmalig und so beliebt gemacht haben.

Es gilt zwar als ziemlich sicher, dass der Weinbau mit den Römern nach Deutschland kam, allerdings spielt das für den Riesling nur bedingt eine Rolle, weil höchstens eine der damals angebauten Sorten Bestandteil des heutigen Genoms ist – und auch das darf keinesfalls als gesichert angesehen werden. Die Rede ist vom „Traminer“, der seinen Namen dem Örtchen Tramin in Südtirol verdankt und aus dem später der berühmte Gewürztraminer hervorging.

Vielmehr war es zunächst die „Wilde Weinrebe“, vitis vinifera subsp. sylvestris, eine seit Jahrtausenden natürlicherweise auch in Nordeuropa vorkommende Ur-Weinsorte, die sich zunächst, wahrscheinlich sogar durch Zufall, mit dem Traminer verband. Erst danach wurde der „Heunisch“ eingekreuzt, der bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts als der wichtigste Wein Mitteleuropas galt. Die Qualität seiner Trauben ließ zwar ziemlich zu wünschen übrig, seine Winterhärte, seine Beständigkeit, seine Spätreife, seine Vitalität und auch sein Säurepotenzial brachten aber genau diejenigen Eigenschaften mit, von denen der heutige Riesling so sehr profitiert.

600 Jahre Hochgenuss

Im Jahr 1402 wird der Riesling erstmals schriftlich erwähnt – da heißt er noch „Rüßling“ –, und zwar in Worms im heutigen Rheinland-Pfalz, was sehr bezeichnend ist, dazu weiter unten mehr.

Auf jeden Fall machte er eine zunächst noch nicht sehr steile Karriere, weil sein Anbau als anspruchsvoll galt (und gilt), nur auf ganz bestimmten, steilen Lagen erfolgreich ist und nicht zuletzt, weil er zwar einerseits relativ unempfindlich gegen Trockenheit ist, aber gleichzeitig mit allzu viel Hitze nicht so gut zurechtkommt.

Irgendwann aber hatte er es geschafft, die Qualitäten und Erträge waren exquisit und darum sollten Sie sich an dieser Stelle das Jahr 1787 und, wenn Sie Lust haben, den Namen Clemens Wenzeslaus August Hubertus Franz Xaver von Sachsen merken. Der Trierer Kurfürst (auch Trier liegt in Rheinland-Pfalz) war nämlich dermaßen hingerissen vom Riesling, dass er am 30. Oktober 1787 per Dekret verfügte, dass in seinem kompletten Herrschaftsbereich fortan ausschließlich Riesling angebaut werden durfte. Und damit war der Siegeszug des edlen Tropfens komplett: Die Gebiete rund um den Unterlauf der Mosel und der Lahn und schließlich auch um Koblenz wurden ab jetzt vom Riesling dominiert. Dieses eine Gesetz hatte zur Folge, dass am Ende die Mosel das größte zusammenhängende Riesling-Anbaugebiet der Welt wurde.

Gut so!

Und es stimmt ja auch: Der Riesling ist rassig, lebendig, frisch, elegant, stahlig und mineralisch mit seiner typischen pikant-fruchtigen Säure. Feine Aromen nach Steinobst wie Marille und Früchten bestimmen den Charakter des Weins. Durch seinen relativ hohen Säureanteil wird ein Riesling erst nach längerem Ausbau „rund“ und weist eine für Weißwein gute Lagerungsfähigkeit von fünf bis zehn Jahren auf.

Der Riesling wurde sogar dermaßen gut und beliebt, dass seine besten Lagen so um 1900 manchmal höher eingeschätzt wurden als die großen Rotweine Frankreichs und auch ähnliche Preise erzielten.

Mit fast 50 % Anteil an der globalen Anbaufläche ist Deutschland absoluter Spitzenreiter im internationalen Vergleich. Und auch in Deutschland selbst ist es der Riesling, der mit um die 25 % die am weitesten verbreitete Rebsorte darstellt. Im Rheingau werden fast 80 % der Weine als Riesling angebaut, in Rheinland-Pfalz deutlich über 25 % und an Mittelrhein und Mosel immerhin um die 65 %.

Frankreich? Nur ein bisschen!

Man mag es kaum glauben, aber sogar Luxemburg, die USA und selbst Australien liegen im direkten Vergleich noch vor Frankreich, wenn es um den Anbau von Riesling geht. Der Grund hierfür ist, dass ausschließlich der Elsass Riesling an- und zu Qualitätsweinen ausbauen darf. Die Elsässer Rieslinge sind sehr trocken und aromatisch und mit einem Alkoholanteil von 12 % oder mehr auch ziemlich gehaltvoll. Wenn Ihnen also einmal ein „Vendanges Tardives“ begegnen sollte, dann wäre das durchaus mal einen Versuch wert.

Trotzdem: Nichts toppt einen Riesling aus deutschen Landen …