Simmenthaler

Womit wollen wir anfangen?

Oft ist es ja der erste Satz eines Textes, der die Aufmerksamkeit des Lesers auf sich zieht. Und manchmal, wenn auch sehr selten, schafft das schon das erste Wort. Bei einem Artikel über das Simmenthaler Rind stehen uns nun unglücklicherweise zwei großartige Möglichkeiten zur Verfügung, nämlich ‚Hollaadioooh‘ oder ‚Flotzmaul‘. Der Begriff ‚Fleckvieh‘ ist jedenfalls schon im ersten Anlauf durchgefallen. Also los – ein bisschen Mut gehört ja auch immer dazu.


‚Flotzmaul‘. Haben Sie diesen Begriff schon mal gehört? Und ist er nicht großartig? Und so lautmalerisch! Das Flotzmaul ist beim Rind der haarlose Bereich zwischen der eigentlichen Nase und der Oberlippe, also diejenige Gesichtspartie, über die eine feuchte Rinderzunge zunächst gleitet, um dann auf solch spektakuläre Weise in eins der Nasenlöcher – nunja – zu ‚flotzen‘. Zugegeben muss man das eigentlich nicht wissen; es ist hier auch nur deshalb interessant, weil das Flotzmaul beim Simmenthaler Rind so herrlich zartrosa ist und die Rasse so besonders hübsch erscheinen lässt. Genauso, wie sein rötlich-braunes Fell, das weiße Gesicht, der weiße Bauch, die weißen Beine und die zumeist fantastische Frisur.

Wer hat´s erfunden?

Mitten im Berner Oberland, also in der westlichen Schweiz, liegt eine Gegend, die man früher ‚Siebenthal‘ genannt hat. Täler sind hier zwar eigentlich keine besondere Seltenheit, aber irgendwie war man der Meinung, dass diese sieben wohl irgendwie zusammengehören und hat ihnen kurzerhand einen verbindenden und verbindlichen Namen verpasst. Und wie das immer so ist mit der Sprache: Aus ‚Sieben‘ wurde ‚Siemen‘, hieraus Simmen‘, das Tal durfte sein ‚H‘ behalten und fertig war der heutige Name. Das hat zwar ein paar Jahre gedauert, man sollte aber nicht vergessen, dass auch reichlich Zeit zur Verfügung stand: Das Simmenthaler Rind wird – verbürgt – seit über 1.400 Jahren gezüchtet.

Wenn Sie das nächste Mal Heidi gucken oder Milchwerbung, dann achten Sie mal drauf: Die Rinder werden rosa Nasen, schicke Frisuren und weiße Bäuche haben. Kaum eine andere europäische Rasse ist derart ‚Kuh‘, wie das Simmenthaler (außer dem Holstein oder dem Schwarzbunten vielleicht – die sind mehr oder weniger eine schwarz-weiß-Ausgabe hiervon).

Simmenthal ist überall

Wie dem auch sei, das Simmenthaler ist eine der am weitesten verbreiteten und populationsstärksten Rassen überhaupt: Man geht davon aus, dass weltweit so ungefähr 50 Millionen Tiere auf allen fünf Kontinenten zuhause sind. In den USA zum Beispiel stellt das Simmenthaler nach Hereford und Angus die drittstärkste Partei. Und allein in Deutschland stehen ca. 700.000 Simmenthaler Fleckviecher auf den Weiden.

Hierfür gibt es eine Menge Gründe. Erstens sind sie sehr anpassungsfähig, robust und relativ anspruchslos, zweitens geben die Kühe recht viel Milch, was gut für die Aufzucht der Kälber ist und drittens wachsen sie gemächlich und geben den Muskeln einiges an Zeit für die Marmorierung. Viertens werden sie relativ groß und produzieren entsprechend viel Fleisch.

So soll Fleisch

Ja, es ist immer auch Ansichtssache. Simmenthaler sind nicht besonders mager, das sollten sie aber auch nie sein. Ihr Fleisch weist einen relativ hohen Fettanteil auf, aber an dieser Stelle weisen wir gerne darauf hin, dass es in der Wissenschaft aktuell ernsthafte Überlegungen darüber gibt, ‚fett‘ als fünften Geschmackssinn zu definieren. Süß, sauer, salzig, bitter und – fettig.

Fett schmeckt und gerade beim Rind hat die Fetteinlagerung in den Muskel, die Marmorierung, entscheidenden Einfluss auf seine Textur und Saftigkeit.

Die Rinder des Olymp

Es gibt derzeit nur einen einzigen Koch auf der Welt, der neun Michelin Sterne gleichzeitig sein Eigen nannte. Man darf mit Fug und Recht davon ausgehen, dass Alain Ducasse etwas vom Kochen und von Zutaten versteht. Und wenn dieser Mann, besonders bei Steaks, auf das Simmenthaler schwört, dann erübrigen sich an dieser Stelle eigentlich alle weiteren Fragen.

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