Superfood

Ein kleiner Tipp vorweg

Hüten Sie sich besser davor, mit dem Begriff „Superfood“ allzu verschwenderisch umzugehen! Erstens beschreibt er relativ profan und ziemlich allgemein nur besonders hochwertige Lebensmittel (und ist schon seit fast 100 Jahren in Gebrauch). Zweitens aber – und da sollte man wirklich vorsichtig sein – ist die Werbung für Lebensmittel unter dem Begriff vor allem dann schlichtweg verboten, wenn gleichzeitig irgendwelche gesundheitsfördernden Versprechen gemacht werden.

Streng genommen ist „Superfood“ ein Marketingbegriff, der einem Lebensmittel angebliche Gesundheitsvorteile zuschreibt, weil es bestimmte wirksame Substanzen enthält, die gut gegen oder für etwas sind, was unserem Organismus so zustoßen kann. Die noch immer nicht abschließend geklärten Fragen zur medizinischen Wirksamkeit machen das Thema zu einer echten Glaubenssache, weshalb wir uns lieber anderen Aspekten dieser Warengruppe zuwenden möchten.

Definition

Der Begriff „Superfood“ wird bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts verwendet, ist allerdings erst in den letzten Jahren allgemein bekannt geworden bzw. bekannt gemacht worden; es findet sich keine offizielle oder rechtlich bindende Begriffsdefinition.

Laut dem Wörterbuch „Oxford English Dictionary“ wird mit dem Begriff ein „nährstoffreiches Lebensmittel, das als besonders förderlich für Gesundheit und Wohlbefinden erachtet wird“, bezeichnet, und das „Europäische Informationszentrum für Lebensmittel“ definiert „Lebensmittel, insbesondere Obst und Gemüse, die aufgrund ihres Nährstoffgehaltes einen höheren gesundheitlichen Nutzen als andere Nahrungsmittel haben“, als Superfood. Tja.

Nicht verwechseln!

Superfood muss nicht exotisch sein! Heidelbeeren gelten als Superfood, Grünkohl aber auch. Leinsamen hat genauso viel Power wie die entschieden exotischeren Chia-Samen. Und überhaupt ist es wirklich interessant, dass der Großteil der aktuell als „super“ vermarkteten Obst-, Gemüse- oder Getreideprodukte, all der Nüsse, Samen, Wurzeln, Gewürze und Körner, gar nicht aus Europa zu stammen scheint, sondern überwiegend aus Asien und Südamerika. Insofern sprechen wir lieber von Noch-nie-gehört-, Klingt-ja-spannend- oder Muss-ich-echt-mal-probieren-Food. Auch das macht die Sache mit den Zutaten für Bowl-Rezepte ja so spannend: Manches wird Ihnen munden, anderes nicht so sehr. Am besten wird es sein, Sie schmecken und probieren sich ran.

Ein Beispiel

Der südamerikanische Quinoa-Samen gilt weithin als Superfood, was er tatsächlich auch ist. Nur die Gründe hierfür liegen woanders, darum können wir Quinoa gerne mal kurz als Beispiel benutzen:

  • Zum einen ist die hier zu kaufende Quinoa üblicherweise glutenfrei, was die Körner zu einem wunderbaren Reis-Ersatz macht.
  • Zweitens macht ihr besonders hoher Proteingehalt sie zu einer erstklassigen Nahrungsquelle allgemein, was dazu führte, dass der UN-Generalsekretär Ban Ki-moon das Jahr 2013 zum „Jahr der Quinoa“ erklärte: Die Pflanze könne aufgrund ihrer spezifischen Vorteile dazu beitragen, den Hunger auf der Welt, gerade in Zeiten des Klimawandels, zu bekämpfen.
  • Es ist nämlich so, dass die Quinoa-Pflanze ausgesprochen anspruchslos ist, auch gut auf relativ kargen, trockenen Böden gedeiht und in Höhenregionen angebaut werden kann, in denen kein anderes Getreide mehr wächst. Mehr als 4.000 Höhenmeter und mehr stellen die Pflanze vor keine größeren Probleme. Auch darum kultiviert der Mensch, zum Beispiel in Peru, Quinoa seit 5.000 Jahren – einfach, weil ab einer bestimmten Höhe kein Mais mehr gedeiht.
  • Zu guter Letzt ist das Pseudogetreide 1993 von der NASA (kein Witz!) sozusagen neu entdeckt worden, weil seine Aminosäuren, die Genügsamkeit und nicht zuletzt der hohe Proteingehalt es für die Anzucht in Raumstationen oder für zukünftige Besiedelungen fremder Himmelskörper prädestiniert.

Alles super! Aber eben keine Medizin …