Woran erkenne ich Bio-Produkte?

Es klingt vielleicht profan, aber auf den ersten Blick erkennen Sie ein Produkt aus der ökologischen Landwirtschaft tatsächlich am entsprechenden Bio-Siegel.

Damit ist allerdings nicht gemeint, dass irgendwo auf der Packung das Wort „biologisch“, „ökologisch“ oder „kontrolliert“ steht – das reicht nicht aus. Nur wenn das Produkt aus kontrolliertem Anbau oder kontrollierter Zucht stammt und den entsprechenden gesetzlichen Regelungen entspricht, bekommt es seine Zertifizierung und damit das Recht, das entsprechende Siegel zu verwenden.

Mit einem einzigen, für jeden und alles gültigen Siegel ist es dabei leider nicht getan: Die EU zertifiziert für die Gesamtheit ihrer Mitgliedsstaaten anders, weicher und allgemeiner als zum Beispiel Deutschland, Liechtenstein oder die Schweiz jeweils für sich selbst. Das EU-weit geltende Siegel (ein aus zwölf Sternen geformtes stilisiertes Blatt) sieht so aus und muss deutlich sichtbar außen auf der Verpackung angebracht werden. Strenger, also unter höheren Auflagen, wird dagegen das deutsche Bio-Siegel vergeben. Es ist weniger verspielt als das europäische, sechseckig und enthält das Wort „Bio“.

Schön ist es auch, wenn Sie der Abkürzung „kbA“ begegnen, sie steht nämlich für „kontrolliert biologischen Anbau“. Auch dieses Element darf nur aufgebracht werden, wenn entsprechende Kontrollen die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen gewährleisten.

Natürlich ist es auch möglich, dass mehrere verschiedene Siegel auf demselben Produkt zu finden sind: Das bedeutet dann eben, dass die Ware nach unterschiedlichen Richtlinien kontrolliert und zertifiziert ist – umso besser!

Der Anfang ist gemacht

Nun muss man natürlich wissen, dass ein Bio-Siegel alleine noch nicht die Aussagekraft hat, die man sich vielleicht wünschen würde – es kommt eben auf die entsprechenden Richtlinien an. Allen gemein ist zwar eine möglichst nachhaltige Bewirtschaftung von Böden, Wasser, Ställen und Weiden, allerdings spielt es eine große Rolle, wie streng das jeweilige Regelwerk verfasst ist und kontrolliert wird.

Logisch, dass bei der EU-Bio-Verordnung viel mehr unterschiedliche Interessen, Kulturen, Anbaugebiete und Produkte unter einen Hut gebracht werden müssen als zum Beispiel in Estland alleine – was wohl oder übel zu Kompromissen bei den Vorgaben führt.

Am Ende steht also etwas weniger Bio-Qualität als bei den Vorgaben, denen sich so strenge nationale Siegel wie „Demeter“, „Naturland“ oder „Bioland“ unterwerfen. Der Anfang ist gemacht, der Wille zur nachhaltigen Bewirtschaftung deutlich zum Ausdruck gebracht – ganz sicher sind die Grenzen des Machbaren aber noch nicht erreicht.

Fisch und Meeresfrüchte

Im Wasser ist die Zertifizierung etwas komplizierter, einfach weil sich die Lebensumstände der Tiere bei Weitem nicht so gut kontrollieren lassen (aus dem gleichen Grund gilt auch Wild nicht als „bio“, obwohl sein Leben sämtlichen Bio-Kriterien entspricht: Es lebt nun einmal wild und kann deshalb nicht nach allgemeinen oder auch speziellen Kriterien kontrolliert werden).

Das Siegel „Marine Stewardship Council“, MSC, trägt immerhin Sorge für die jeweiligen Fangmethoden, die Fanggründe und die Fangquoten in der offenen See, und das „Aquaculture Stewardship Council“, ASC, hält ein sehr wachsames Auge auf die Methoden der entsprechenden Aquakulturen.

Es ist auch immer mal einen Blick wert, zum Beispiel beim Thunfischkauf auf das Label „Dolphin friendly“ oder „Dolphin safe“ zu achten. Dahinter steckt zwar nicht die Verfügungsmacht großer, starker Gesetzgeber (was auch daran liegt, dass außerhalb der Zwölf-Meilen-Zone meist nur noch internationales Seerecht gilt und so gut wie keine anderen staatlichen Gesetze), aber auch hier ist die Selbstverpflichtung einzelner Staaten oder auch Konzerne ganz bestimmt besser als nichts …