Kakao

Die hungrigen Nager

Haben Sie schon einmal von den Olmeken gehört? Also wir, ehrlich gesagt, auch nicht. Ganz offenbar scheinen es allerdings sie gewesen zu sein, die herausgefunden hatten, dass man die Früchte des Kakaobaums essen oder zumindest erst mal, dass man aus ihnen ein Getränk herstellen kann. Ehrlich gesagt wären früher oder später wahrscheinlich auch andere auf die Idee gekommen, aber die Olmeken, die übrigens am südlichen Golf von Mexiko lebten, scheinen hierbei die Ersten gewesen zu sein.

Zunächst einmal hatten es die Olmeken damals (und heute natürlich wir alle) den Ratten zu verdanken, dass sie auf die interessante Idee kamen, die rotbraunen, seltsam oval geformten Früchte überhaupt mal zu probieren. Sie beobachteten nämlich, wie Ratten die Früchte mit im wahrsten Sinne des Wortes schier unersättlichem Eifer verschlangen. Anscheinend waren die kleinen Dinger ziemlich nahrhaft und schienen zumindest den Nagern ganz gut zu schmecken. Also brachen sie die Frucht auf und fanden darin bohnenartige Samen.

Gewusst, wie …

Das Fruchtfleisch der Kakaofrucht ist ebenfalls essbar und Kennern zufolge sogar recht schmackhaft, mit einem süßlich-zitronigen Aroma. Es ist leider nicht belegt, wie schnell man feststellte, dass in Wahrheit die Bohnen der wirklich richtig gute Teil der Frucht sind. Aber auf jeden Fall zerstampften unsere Olmeken die Bohnen und brühten sie – vielleicht aus reiner Ratlosigkeit und eher zu Testzwecken – erst einmal zusammen mit Gewürzen und Chili zu einem warmen Getränk auf. Der Kakao war geboren.

Jetzt sollten Sie noch wissen, dass alles das schon vor ziemlich langer Zeit passiert ist; um genau zu sein, lag die Hoch-Zeit des olmekischen Volkes zwischen ca. 1500 und 400 vor Christus. Kakao ist also keinesfalls eine neuzeitliche Erfindung. Und mit ihrem neu gefundenen Wissen und der ebenfalls neuen und tiefen Verbundenheit zum Kakao machten sich die Olmeken in der Folge mit großem Eifer daran, den Kakaobaum in Äquatorial-Mexiko zu kultivieren und gezielt anzubauen. Und wie sie das taten!

Staatstragende Bohnen

Über kurz oder lang bekamen natürlich auch die Mayas und Azteken Wind von diesem neuen, wundersamen Getränk, nannten es in ihrer Landessprache, dem Nahuatl, „cacauatl“, was – ein bisschen einfallslos – schlichtKakaowasser“ bedeutet, und machten sich ebenfalls daran, Kakaobäume im mehr oder weniger großen Stil zu kultivieren.

Wertvoll war der Kakao. Sehr wertvoll sogar. In den erwähnten drei Zivilisationen waren Kakaobohnen nicht nur die bevorzugte Währung, mit ihnen wurden auch Zölle, Steuern und Tribute entrichtet. Man darf davon ausgehen, dass es bei der Besteuerung hauptsächlich die wohlhabenderen Bewohner besetzter Gebiete getroffen hat, denn Kakao war strikt den oberen Klassen und Soldaten im aktiven Dienst vorbehalten. Und das blieb auch erst mal so.

Im Grunde wurden die Bohnen wirklich wie eine eigenständige Währung behandelt, bei der 400 Bohnen einem Zontli entsprachen, 20 Zontli ergaben mit ihren 8.000 Bohnen einen Xiquipilli und drei Xiquipilli machten den höchsten Einzelwert aus. Diese 24.000 Bohnen wogen insgesamt um die 30 Kilogramm, was der Traglast eines Mannes entsprach.

Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass der Begriff Xiquipilli – direkt aus dem Nahuatl übersetzt – „Rucksack“ bedeutet, was ja so gesehen ziemlich logisch ist. Auf jeden Fall nahmen die Leute den Kakao ungeheuer ernst …

Pech gehabt

Erst 1502 kam dann ein Europäer mit den wundersamen Früchten in Berührung. Christoph Columbus sah nämlich in Nicaragua einen Berg aus Bohnen auf einem Kanu an sich vorübergleiten, was als erste Begegnung natürlich erst mal nicht besonders spektakulär war. Deswegen machte er sich keine weiteren Gedanken darüber und ging endlich einmal – ha! – nicht als Entdecker von irgendetwas in die Geschichtsbücher ein. Was für ein Pech, denn schließlich hatte er vorher schon Pfeffer mit Chilis verwechselt. Aber er war ja auch schließlich kein Botaniker, sondern Seefahrer.

Wie wertvoll der Kakao wirklich ist, erkannte dann etwas später erst der verräterische Hernando Cortez, als er sich mit dem aztekischen Kaiser Montezuma auf ein Schälchen desselben traf. 1528 kam der Kakao nach Europa. Und zwar zunächst einmal – logisch – nur an den spanischen Hof. Und auch da ahnte natürlich noch niemand, wie unfassbar wichtig der Kakao als globale Handelsware einmal werden würde.

Am spanischen Hof war man zunächst einmal höchst angetan von dem exotischen Genuss und setzte wenn auch nicht alles, so doch immerhin viel daran, ihn den lokalen Geschmacksknospen gefällig zu machen. Er wurde mit Rohrzucker, Vanille, Zimt und Pfeffer verfeinert und so gesehen schon ein bisschen europäisiert. Zunächst allerdings behielt man das kleine, feine Geheimnis für sich und verriet niemandem, dass es etwas wie Kakao überhaupt gab. Die Spanier waren so gut darin, ihren neuen Fund geheim zu halten, dass die entsprechende Fracht eines durch englische Piraten aufgebrachten Schiffes als wertlos abgeschrieben und komplett verbrannt wurde. Und dieses Schiff transportierte fast ausschließlich Kakaobohnen. Das ist dann ja wirklich mal Pech!

Los geht’s!

Es folgten, wie so oft, ein paar Kriege, die Unterdrückung nativer Völker und schließlich der Untergang ihrer Zivilisation (in diesem Falle reden wir von den Azteken). Cortez intensivierte alsbald die Kultivierung des Kakaos im neu benannten Neu-Spanien (heute würde man leicht vereinfachend „Lateinamerika“ dazu sagen) und 1585 traf die erste nennenswerte Menge des dort angebauten Kakaos auf der Iberischen Halbinsel ein. Der Handel konnte beginnen.

Von Spanien aus verbreitete er sich in allen anderen Ländern – kaum jemand konnte sich dem Reiz dieses wundersamen und -baren Getränkes entziehen. Allerdings blieb er zunächst, wie immer bei Kolonialwaren, den wohlhabenden Schichten der Gesellschaft vorbehalten. Bei so viel großbürgerlicher Begeisterung blieb es nicht aus, dass diverse Versuche unternommen wurden, um herauszufinden, auf welche Weise man die wundersame Bohne wohl noch verarbeiten könnte. 1659 öffnete dann schließlich die erste Schokoladenmanufaktur in Paris und machte somit den Kakao – jetzt als Schokolade – essbar.

Jetzt ging es Schlag auf Schlag. Es folgte eine Zeit intensiver kulinarischer und produktionstechnischer Innovationen: Spanier, Franzosen, Italiener, Schweizer, Deutsche und Briten (na ja – die anderen waren einfallsreicher, aber sie versuchten es wenigstens), um nur ein paar zu nennen, überschlugen sich schier im Rennen um immer neuere, aufregendere Verarbeitungsmöglichkeiten für die Bohne. Mit der Eröffnung der ersten echten Schokoladenfabrik 1780 in Barcelona war die Industrialisierung des Kakaos in quasi jede Richtung nicht weiter aufzuhalten.

Wenn Sie mehr über die Geschichte der Schokolade erfahren möchten, dann empfehlen wir Ihnen diesen Link in unserer Rubrik „Wissenswert“.

Und heute?

Heute ist ein Leben ohne Schokolade wirklich kaum denkbar. Oder vielleicht denkbar, aber nicht wirklich sinnvoll. Wir alle lieben sie, egal ob wir sie essen oder trinken. Die Schweizer sind, wie könnte es anders sein, an der Spitze, wenn es um verzehrte Mengen geht: Knappe zehn Kilogramm pro Kopf und Jahr werden dort vernascht. Aber auch die Deutschen bringen es auf stolze neun Kilo pro Kopf und Jahr. Ebenfalls nicht schlecht.

Je nachdem, wen Sie dazu um eine Meinung bitten, sind das völlig angemessene oder entschieden zu große Mengen. Auf jeden Fall gilt als erwiesen, dass der Verzehr von Schokolade zu einer höheren Endorphin-Ausschüttung (das ist das Glückshormon) führt als das Küssen! Und das kann ja unmöglich schlecht sein. Und wenn das nicht sowieso schon ausreichend viele Gründe sind, dann möchten wir Sie noch kurz beruhigen: Es ist ziemlich schwierig, durch Schokoladenverzehr zu sterben.

Man sagt zwar, dass alles giftig ist und es nur auf die Menge ankommt, aber im Fall von Schokolade müssten Sie beachtliche sieben Kilogramm essen, um einer Schokoladenvergiftung (ober besser: Theobrominvergiftung) zu erliegen. Bei Hunden geht das übrigens sehr viel schneller – teilen Sie also niemals (!) Ihre Schokolade mit einem Hund, auch keine kleinen Mengen. Sie töten ihn dadurch! Was allerdings den enthaltenen Zucker angeht, so sieht die Sache natürlich auch für uns Menschen vollkommen anders aus – also Vorsicht.

Ach so!

Weiße Schokolade ist keine Schokolade, sondern Kakaobutter (und somit das weiße Fett der Kakaofrucht) ohne den Zusatz von Kakaopulver. Stattdessen werden ihr Milchpulver und Zucker beigemengt. Kein Kakao weit und breit …

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