Kichererbsen

Mal anders

Machen wir uns doch einen Spaß draus und nähern uns dem eigentlichen Thema dieses Artikels sozusagen von schräg hinten – es muss ja nicht immer alles so bierernst zugehen in der Welt der Lebensmittel …

Lernen wir zunächst also mal zwei äußerst begabte Wissenschaftler kennen, die im England des späten 18. Jahrhunderts extrem berühmt, erfolgreich und produktiv waren. Fast könnte man sagen, die beiden haben mit ihren Entdeckungen quasi im Alleingang die Grundlagen für die gesamte moderne Chemie gelegt. Sie heißen Joseph Priestley, gestorben 1804, und Sir Humphry Davy, der 1829 das Zeitliche segnete. Besuchen Sie für mehr Einzelheiten zu diesen beiden Ausnahme-Wissenschaftlern ruhig die deutsche Wikipedia – es lohnt sich …

Nerdwork

Auf jeden Fall hat Priestley 1772 das Distickstoffmonoxid (N2O) entdeckt und beschrieben, was erst mal nur der guten wissenschaftlichen Ordnung halber geschehen und von Interesse war. Davy dagegen hatte einen ausgesprochen ausgeprägten Hang dazu entwickelt, sich nicht allein mit der chemischen Katalogisierung und Erkenntnis von Gasen zu befassen – er war vor allem an der Wirkung derselben auf den menschlichen Körper interessiert (was mit ziemlich großer Sicherheit dazu beigetragen haben dürfte, dass er gerade mal 50 wurde – viele der Gase, die er da heldenmütig inhalierte, waren und sind ausgesprochen giftig).

Einen Volltreffer allerdings landete Sir Humphry so gegen 1797, als er das vom Kollegen Priestley entdeckte N2O voller Zuversicht mit einem Stift in der einen und einem Notizzettel in der anderen Hand einatmete. Sekunden, nachdem das Gas seine Lungen erreicht hatte, machte sich ein wunderbares Glücksgefühl in ihm breit, er erlebte eine schöne Euphorie, sein Schmerzempfinden ging deutlich zurück und er musste wirklich herzlich lachen. Was für ein schönes Gas das war: Es machte nicht nur höllisch Spaß, es wirkte auch total entspannend, beruhigend und angstlösend und senkte, wie gesagt, das Schmerzempfinden deutlich – wenn auch nur für ein paar Sekunden bis höchstens einige Minuten.

Hicks, hicks – hurra!

Herrlich! Davy empfahl N2O im Jahr 1800 offiziell zum Einsatz bei Zahnärzten und für kleinere chirurgische Eingriffe (zu dieser Zeit war die Narkose noch nicht erfunden) und verhalf somit wahrscheinlich Zehntausenden Patienten zu höchst vergnüglichen Zahnbehandlungen. Etwas umgangssprachlicher wurde das Zaubermittel allerdings unter einem ganz anderen und noch viel passenderen Namen berühmt: Lachgas.

Weil?!

Warum genau wir jetzt eigentlich diese seltsame Volte geschlagen haben? Erstens, weil so was Spaß macht, und zweitens, um – zugegebenermaßen relativ umständlich – darauf hinzuweisen, dass der Name einer Sache nicht immer Rückschlüsse auf ihre Eigenschaften zulässt. Und so kommen wir zur Kichererbse, deren Verzehr überhaupt keine Heiterkeit bei uns auslöst, die nicht einmal zu den Erbsen zählt und die trotzdem diesen hübschen Namen trägt.

Runde Sache

Dass die Hülsenfrucht heißt, wie sie heißt, ist wohl eher eine sprachliche Entwicklung aus dem römischen Stamm „cicer“, der vielleicht dem hebräischen Wort für rund oder rundlich, „kikar“, entlehnt ist. Hier geht es also nicht um die Wirkung, sondern eher um die Form. (Würden wir allerdings zur Albernheit neigen, was natürlich keineswegs der Fall ist, dann könnte man an dieser Stelle darauf verweisen, dass die Kichererbse einen gewissen Anteil an Raffinose enthält, einen Dreifachzucker, der erst im Dickdarm durch Bakterien unter deutlicher Gasbildung zersetzt wird, um das einmal so zu formulieren. Je nach Tonlage, Druck oder Situation kann das Abgehen dieser Gase also durchaus das Potenzial haben, für eine gewisse Heiterkeit zu sorgen – allerdings dann wohl eher bei Dritten und nicht beim Konsumenten selbst …)

Jetzt aber richtig

Mittelmeer, Kleinasien, Vorderer Orient, Indien: Die Kichererbse gilt als ziemlich genügsam im Anbau, macht bei der Ernte eine gute Figur, ist ziemlich sättigend und die Verwendungsmöglichkeiten in den Küchen sind geradezu endlos. Hummus, Falafel, Farinata, Cocido madrileño, Schimitt, Leblebi, Chana Masala, Labladi, Pakora oder auch das köstliche Laddu sind ohne Kichererbsen überhaupt nicht vorstellbar.

Wichtig zu wissen ist, dass Kichererbsen im ungekochten Zustand ein Gift namens Lektin enthalten, das sich sehr unschön auf unsere roten Blutkörperchen auswirken und im schlimmsten Fall zum Tod führen kann. Kocht man die Kichererbse aber, oder röstet man sie gewissenhaft, dann denaturiert das Gift und die kleine Köstlichkeit kann bedenkenlos verspeist und genossen werden.

Sollten Sie also getrocknete, rohe Kichererbsen verarbeiten wollen, dann wässern Sie sie für mindestens zwölf Stunden und kochen Sie sie vor der Weiterverarbeitung ohne Salzzugabe aus – ca. 45 Minuten sind das Maß der Dinge.

Von den ungefähr 14 Millionen Tonnen Weltproduktion entfallen schlappe zehn Millionen Tonnen auf Indien alleine. Deutlich abgeschlagen auf dem zweiten Platz findet sich mit gut 630.000 Tonnen die Türkei und Russland kommt mit seinen 500.000 Tonnen immerhin auf den dritten Platz.

Hihihi …

Wer so weit rumkommt in der Welt, wie es die Kichererbse tut, der sammelt natürlich die schönsten Sondernamen ein: Echte Kicher, Römische Kicher, Venuskicher oder Felderbse sind so erste Klassiker, man kann ihr aber auch unter Chicher, Chicherri, Chichirra, Chichuria, Chichurra, Cicererbis, Cisa, Cyfer, Czycke, Garabanzen (Mark Brandenburg), Kecher, Kechern, Kechir, Keichern, Kicherkraut, Kircheren, Kirchernkraut, Kyechirn, Seker, Sekeren, Ziseren, Schwarzzisern, Ziser-Erwedsen, Zysern und Zyssern (mittelhochdeutsch), Keicheren, Kekeren, Keyker (mittelniederdeutsch), Kicher (Sachsen), Sisern oder Sperberköpfl (Steiermark) begegnen ...

Schon lustig, oder!?

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