Muskatnuss

Was ist sie eigentlich nicht?

Wie so oft ist der Name schon vom Start weg irreführend – die Muskatnuss ist nämlich überhaupt gar keine Nuss. Zumindest botanisch gesehen ist die Frucht des Muskatbaumes eine einsamige Beere, die unter ihrem Fruchtfleisch einen steinigen Kern trägt, der wiederum von einem Samenmantel, dem sogenannten Arillus, umgeben ist. Der steinige Kern schließlich enthält den öligen Samen, der uns als Muskatnuss bekannt ist. Und erst jetzt hat man die kleine Köstlichkeit in der Hand.

Exorbitant teuer

Nuss oder nicht Nuss hin oder her – der in der Frucht enthaltene Schatz ist schon überaus lange überaus begehrt. So sehr sogar, dass sich die ersten europäischen Händler des 16. Jahrhunderts über eine etwa 6.000%ige Gewinnmarge freuen konnten. Und nur, um das noch ein bisschen deutlicher zu machen: Eine gute Prise Muskatnussabrieb hatte damals (in Kaufkraft umgerechnet) in etwa den gleichen Wert wie heutzutage das neueste iPhone.

Im England dieser Zeit sagte man sogar, dass eine Handvoll (!) Muskatnüsse ihrem Besitzer lebenslange finanzielle Unabhängigkeit bescheren würde.

Die Wer-kriegt-die-Nuss-Kriege

So ist es dann auch nicht weiter verwunderlich, dass diverse Nationen den einen oder anderen Krieg (ja, das waren richtige große Seekriege) um die Muskatnuss angezettelt haben.

Ursprünglich stammte die Muskatnuss nämlich von den Molukken oder noch genauer von den Banda-Inseln, einem Teil der indonesischen Gewürzinseln – und kam an keinem anderen Ort auf der Welt vor. Von hier – und nur von hier – wurde sie bereits im frühen Mittelalter von arabischen und venezianischen Händlern gehandelt; die jeweiligen Importeure allerdings hielten den Herkunftsort sehr streng geheim.

Das richtige Drama begann, als Vasco da Gama den Seeweg nach Indien entdeckte. Begeistert von den neuen Möglichkeiten sponserten die Portugiesen in den folgenden Jahren mehrere Expeditionen in das Gebiet, die immer weiter östlich vordrangen. Schließlich landete 1512 eine kleine Flotte unter Kapitän António de Abreu auf den Banda-Inseln und somit fiel das Muskathandel-Monopol zunächst einmal den Portugiesen in die Hände.

Fast ein Jahrhundert lang verteidigten die Portugiesen ihr Monopol denn auch beherzt, um es dann schließlich doch an die Holländer zu verlieren. Während der nächsten paar Jahrzehnte waren zu verschiedenen Zeiten, in verschiedenen Ausführungen und in durchaus unterschiedlichem Maß der angewendeten Gewalt (wenn man denn unsägliche Brutalität und entsetzliche Grausamkeiten mal so umschreiben möchte) Franzosen, Engländer und Holländer am Kampf um das Muskatnussmonopol beteiligt.

Eine kleine, sumpfige, von Mücken verseuchte Insel

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts monopolisierten die Holländer zunächst die Inseln und den Muskat-Gewürzhandel. Fast. Denn die kleinste und zugleich ertragreichste der Inseln, Run, war nach wie vor durch die Engländer besetzt, die ihren Besitz verbissen verteidigten.

1616 hatten die Holländer schließlich endgültig genug von ihren ungeliebten europäischen Nachbarn, überrannten die Insel und vertrieben die Engländer. Diese allerdings ließen sich so leicht nicht unterkriegen und versuchten während der folgenden Jahrzehnte und der zwei Englisch-Niederländischen Seekriege (wenn Ihnen da noch etwas dunkel aus dem Geschichtsunterricht bekannt vorkommen sollte, haben Sie vollkommen recht: Das sind diese hier, bei denen es vor allem um den Besitz von Muskatnüssen ging) immer wieder, ihren Besitzanspruch geltend zu machen.

Schließlich einigte man sich aber einigermaßen friedlich und schloss am 31. Juli 1667 den „Frieden von Breda“, der nicht nur den Krieg beendete, sondern den Engländern, im Austausch für Run, ein Stückchen Land in der nördlichen Hemisphäre der Neuen Welt bescherte: Neu-Amsterdam. Heutzutage ist diese vormals kleine, sumpfige, mückenverseuchte, unscheinbare Insel etwas besser bekannt unter dem Namen Manhattan. Haha – ätsch!

Das warʼs dann wohl

Den Franzosen, oder besser gesagt einem französischen Botaniker mit dem malerischen und irgendwie gut zum Berufsbild passenden Namen Pierre Poivre („Peter Pfeffer“), gelang es 1770, Muskatsamen und -Schösslinge im Handstreich in seinen Besitz zu bringen (nebenher nahm er bei der Gelegenheit auch gleich noch ein paar Gewürznelken-Samen mit), nach Réunion und Mauritius zu schmuggeln und dort erfolgreich anzubauen.

Wenig später vertrieben die Engländer die Holländer zwar wieder von den Gewürzinseln, aber das wertvolle Monopol war da schon geknackt und insofern hätten sie sich die Mühe eigentlich auch ganz gut schenken können. Sie pflanzten die Muskatnuss jedenfalls etwas später erfolgreich auf ihren Kolonien in Singapur, Sri Lanka, Sumatra und Indien an und ernteten raue Mengen, was schließlich auch die Preise sinken ließ. Endlich!

1843 landeten Muskatsamen ganz nebenbei auf einem englischen Handelsschiff auf Grenada und der Rest ist Geschichte – Grenada ist bis heute der zweitgrößte Exporteur der Muskatnuss.

Und wozu das alles?

Gute Frage, denn so ganz ohne Verheißung hätte wohl niemand eine solche Unmenge an Grenzen überschritten. Glücklicherweise müssen wir uns heute nicht mehr der Muskatnuss bedienen, um zum Beispiel die Pest zu bekämpfen. Über ihren Einsatz als Medizin hinaus wurde Muskat unter anderem als Konservierungsmittel, Halluzinogen und sowohl als Aphrodisiakum als auch als Abtreibungsmittel geschätzt. Da liegt aber einiges sehr nah beieinander, wenn Sie uns fragen …

Heute beschränken wir uns lieber auf ihren Einsatz als Gewürz – ein Kartoffelpüree ohne Muskat ist wirklich nur halb so gut! Eine Béchamelsoße ohne Muskat? Niemals!

Ach so!

Achten Sie beim Kauf unbedingt darauf, nur ganze Nüsse zu verwenden! Bereits geriebene Muskatnuss verliert sehr schnell ihr besonderes Aroma, ganze Nüsse dagegen sind, sofern richtig gelagert, fast grenzenlos haltbar. Und gönnen Sie sich unbedingt eine vernünftige Muskatnussreibe – Sie werden es nicht bereuen!

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