Avocado

Der Wanderer

Es gibt Karrieren, die kann man sich nicht ausdenken, die passieren einfach irgendwie. Ein sehr gutes Beispiel dafür, wie ein vollkommen ungeplantes Arbeitsleben mit immensen Nachwirkungen bis in die höchsten Kreise aussehen kann, ist das Leben eines gewissen Pedro de Cieza de León, der im Jahre des Herrn 1520 im Südwesten Spaniens das Licht der Welt erblickte und der schon 1554 mit gerade einmal 34 Jahren in Sevilla starb.

Was nun machte Cieza so besonders, dass wir uns heute noch mit ihm befassen? Das sind mehrere Aspekte: Zunächst einmal beantragte er 1535, also im zarten Alter von 15 Jahren, seine offizielle Ausreise ins gerade erst von den Konquistadoren unterworfene Südamerika und reiste erst einmal dahin, wo heute so ungefähr Kolumbien liegt. Er arbeitete zunächst als Landknecht und Hilfsarbeiter, bevor es ihn 1539 viel weiter ins Landesinnere zog. 1541, also mit 21 Jahren, begann er damit, ein sehr akribisches Tagebuch zu führen, das sich vor allem mit der Geschichte der Andenvölker bis zur Ankunft der Spanier und der damit einhergehenden Eroberung des Inkareichs (also Mexikos) in den 30er- und 40er-Jahren des 16. Jahrhunderts befasste.

In vielen systematischen und chronologischen Kapiteln schildert er das Inkareich, dessen Vorgängerstaaten, die einzelnen Stämme, deren Sitten, Gebräuche, Kleidung, Straßen, öffentliche Bauten, Städte und Landesprodukte – so erwähnt er als Erster das Pflanzengift Curare, die Cocapflanze, die Kartoffel (!) und die Avocado, die er „aguacate“ nannte und die er in Panama, Ecuador, Kolumbien und Peru fand.

Der Chronist

Seine Beschreibungen waren derart präzise, sachlich und objektiv, dass moderne Forscher und Wissenschaftler über sein Werk sagten: „Die größte Objektivität aller Geschichtswerke, die je über die Inkas geschrieben worden sind. […] Er war für die Neue Welt, was Herodot für die unsere war.“ So objektiv war das Ganze übrigens, dass es nicht nur erbarmungslos die Gräueltaten der spanischen Eroberer beschrieb, sondern auch die Aussage enthielt, dass „sie [die Inkas] uns Spaniern in vieler Hinsicht weit überlegen waren“.

Und als es später zurück in der Heimat darum ging, seine Aufzeichnungen zu veröffentlichen, gelang ihm das nur mit dem ersten von drei geplanten Bänden: Die Ausgaben zwei und drei verschwanden auf Druck des spanischen Königs und der entsprechenden politischen Oberschicht in den Giftschränken der Archive und wurden erst über 300 Jahre später wiederentdeckt. 1880 war das – und dann auch nur Band zwei: Band Nummer drei ist bis heute verschollen.

Nicht schlecht für einen jungen Burschen, der gerade einmal Lesen und Schreiben gelernt und nie eine Universität von innen gesehen hatte, finden Sie nicht auch?

Das Kraftpaket

Dass die Avocado ihren geografischen Ursprung ausgerechnet in dem Land hat, das unser tapferer Forscher am besten erkundet hatte, konnte er natürlich nicht wissen, aber die ersten Avocadobäume wuchsen im tropischen und subtropischen Zentralamerika, also in Südmexiko, wo sie schon seit 10.000 Jahren genutzt wurden und Mensch und Tier als erstklassige Nahrungsquelle dienten. Kein Wunder – die Avocado hat mit sehr großem Abstand den höchsten Fettgehalt aller bekannten Obst- und Gemüsearten überhaupt: gut 220 Kilokalorien je 100 Gramm essbaren Anteil. Nicht schlecht, Herr Specht …

Die beiden

Auch wenn es ungefähr 400 verschiedene Avocadosorten weltweit gibt, gelangen im Grunde nur sehr wenige, nämlich zwei davon, auf unsere deutschen Teller: erstens die „Fuerte“, das ist die typische birnenartige Beere (die Avocado ist die Beere eines mit dem Lorbeer verwandten Baums, der immerhin bis zu 25 Meter hoch werden kann) mit mittelgrüner Schale und hellgelbem, zum Rand hin grünlichem Fruchtfleisch und einem Gewicht bis zu 500 Gramm.

,,Von der an eine Birne erinnernden Form und der mitunter recht rauen Schale rühren übrigens auch ein paar andere Bezeichnungen her, die die Avocado hat: Avocadobirne oder auch Alligatorbirne. Das besonders weiche Fruchtfleisch hat dazu geführt, dass die Avocado mitunter auch Butterfrucht genannt wird.´´

Und zweitens die Variante mit dem merkwürdig anmutenden Namen „Hass“. Die Frucht dieser Sorte ist kleiner als die der Fuerte, rundlich und besitzt eine dicke, warzige Schale. Ihre Reife erkennt man daran, dass sich die Schale dunkelviolett verfärbt. Sie wird allerhöchstens 400 Gramm schwer. Diese Sorte ist nicht nur deshalb interessant, weil sie sich in Deutschland immer größerer Beliebtheit erfreut. Die „Hass“ ist nämlich keine Züchtung, sondern eine Spontanmutation, die ein gewisser Rudolph Hass 1930 zufällig in seinem Garten in Kalifornien entdeckte. Alle, wirklich alle sortenreinen Hass-Avocado-Bäume, die heute in Israel, Kalifornien, Mexiko, Chile, Spanien, Australien und Neuseeland angebaut werden, stammen einzig und allein von dieser Pflanze ab.

Die Beeren

Avocadobeeren reifen übrigens auch in der Natur niemals am Baum durch – das empfindliche Fruchtfleisch würde einen Sturz aus größerer Höhe gar nicht überstehen –, sie fallen noch hart und unreif zu Boden, reifen hier nach, werden mitsamt dem Kern zum Beispiel sehr gerne von Faultieren gefressen. Was nicht verdaut werden kann, das landet ein schönes Stück weiter auf dem fruchtbaren, feuchten Boden und braucht nur noch auszukeimen.

Die Durstigen

Stichwort Feuchtigkeit: Wer seine Evolution in den Tropen bzw. in den Subtropen durchläuft, dem kann und sollte man nicht den Vorwurf machen, er wäre besonders durstig und würde zu viel Wasser benötigen – schließlich ist das hier in rauen Mengen verfügbar. Aber es stimmt: Im weltweiten Durchschnitt werden pro Kilogramm Avocado etwa 1.000 Liter Wasser verbraucht, in manchen Regionen Chiles kann der Verbrauch 300 Liter betragen – pro Frucht! Zum Vergleich schlagen bei Tomaten pro Kilo „nur“ 180 Liter Wasser zu Buche.

Betrachten wir unsere heiß geliebte Avocado also lieber als köstliches Kulturgut, das erst so richtig gut schmeckt, wenn man es nur von Zeit zu Zeit und dafür mit umso größerem Genuss zu sich nimmt.

Die Weltmeister

Zum Schluss noch mal kurz nach Mexiko, wo sozusagen frischer Entdeckergeist, alte Kulturen, grausige Kolonialisten und köstliche Avocados ihre Wege kreuzen: Auch heute noch ist Mexiko mit riesigem Abstand der größte Avocadohersteller der Welt. Mit seinen 2.300.000 Tonnen liegt es weit vor der Dominikanischen Republik, die es mit vergleichsweise mickrigen 660.000 Tonnen auf Platz zwei geschafft hat.

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