Fenchel

Manche Sachen klingen ja manchmal ziemlich kompliziert – zumindest im ersten Moment. Oder alles hört sich total langweilig an, weil man gar nicht weiß, warum man es wissen sollte. Die Botanik macht da keine Ausnahme, aber weil wir der Meinung sind, dass der Fenchel als Pflanze entschieden mehr Aufmerksamkeit verdient, haben wir uns der Sache mal ganz wissenschaftlich angenommen …

Na?

Wie gut sind eigentlich Ihre Kenntnisse in grundlegender Botanik? Wahrscheinlich so gut oder vielmehr so schlecht wie unsere, als wir mit der Arbeit zu diesem Text hier begonnen haben. Aber das macht nichts, denn im Grunde sind ein paar wichtige Dinge schnell erklärt und gut verständlich, sobald man das Prinzip verstanden und sehr wenige Vokabeln gelernt hat.

„Doldenblütler“ zum Beispiel, eine Pflanzenfamilie, die immerhin Möhren, Dill, Bärlauch und Sellerie hervorbringt – und den Fenchel natürlich auch. Nur: Was genau ist ein Doldenblütler eigentlich? Bzw. was macht ihn so speziell, dass er sich sogar zur Klassifizierung in der riesigen Welt der Botanik empfiehlt? 

Regenschirm?

Es ist, kein Wunder, die spezielle Anatomie oder auch Architektur der Pflanze, die den Doldenblütler auszeichnet: Stellen Sie sich der Einfachheit halber einen aufgeklappten Regenschirm vor, allerdings ohne Bespannung. Oben am Stiel sind seitlich in schöner Regelmäßigkeit die Querrippen angebracht, die alle dieselbe Länge und somit auch den exakt gleichen Abstand zueinander und zum Stiel haben (dieser Stiel heißt in der Botanik übrigens „Sprossachse“ und ist nichts anderes als der Stamm der Pflanze). 

Am Ende (an der Sprossspitze) dieser Querausleger (korrekt und zudem ganz logisch: Nebenachsen oder auch Dolden), also ganz außen, sitzen dann die jeweiligen einzelnen Blüten. Interessant an dieser Konstruktion ist vor allem, dass dem Stamm keine weiteren Nebenachsen entspringen, sie sitzen wirklich alle gleichzeitig ganz oben an der Spitze. So viel zur Dolde im Allgemeinen.

Regenschirm mit Sträußchen?

Sehr viel hübscher wird das Ganze, wenn wir uns nun den sogenannten Doppeldolden zuwenden, denn hier kommt nicht nur ein weiterer kleiner Stiel ins Spiel, sondern auch eine ganz bezaubernde Bezeichnung. Stellen Sie sich vor, dass am Ende unserer Nebenachsen noch nicht die eigentliche Blüte sitzt, sondern ein Kranz weiterer kurzer Dolden, an denen sich sehr gleichmäßig und kreisförmig angeordnet nicht eine, sondern gleich mehrere Blüten befinden. Das Tolle daran ist, dass die Pflanze auf diese Weise natürlich viel mehr Blüten an einer Nebenachse unterbringen kann – und für uns vor allem, dass diese zusätzlichen kleinen Seitendolden so einen hübschen Namen tragen. Gut, man kann sie Dolde zweiter Ordnung oder Doppeldolde nennen, genauso legitim und botanisch korrekt ist es aber auch, wenn man sie allen Ernstes „Döldchen“ nennt.

Anis?

Fenchel also – eine doppeldoldige Pflanze, von der bis auf die recht robuste Sprossachse so ziemlich alles gegessen bzw. verwertet werden kann: die Knolle, die Blätter, die Samen und sogar die Pollen. Seine ätherischen Öle machen Fenchel besonders aromatisch und erinnern deutlich an Anis, was fast schon ein paar Rückschlüsse auf die ursprüngliche, mehr oder weniger mediterrane Heimat der alten Kulturpflanze zulässt: Südeuropa, Nordafrika, Madeira, die Kanarischen Inseln, die Ukraine, Georgien, Pakistan und Westasien – allesamt Gegenden, in denen sich die kräftigen Anis- und auch Kümmelaromen seit jeher großer Beliebtheit erfreuten und die ideale Lebensbedingungen für Anis, Kümmel und eben auch Fenchel anboten: nicht zu nass, ausreichende Wärme und möglichst milde Winter.

Schnaps?

Geschmack und Aroma von Fenchel waren übrigens schon weit vor seiner Ansiedlung zum Beispiel in unseren Breiten sehr beliebt, sodass man hier ganz scharf auf Köppernickel war, also die Bärwurz, die vor allem in gebirgigen Landschaften zu finden war und ist. Auch sie ist ein „Doppeldoldler“, erinnert optisch ein bisschen an Dill und findet besonders in Bayern in Form des typischen Bärwurz-Schnapses großen Zuspruch, der aus den ebenso typischen Steingut-Flaschen serviert wird.

Bevor der „echte“ Fenchel also endlich seinen Weg auch zu uns und schließlich nach Großbritannien, auf die Azoren, die Kapverden, nach Südafrika, Australien, Neuseeland, Hawaii, Mikronesien und nicht zuletzt bis nach Mittel- und Südamerika gemacht hatte, musste und konnte man sich ganz gut behelfen …

Wurst?

Aber gut. Essen kann man Fenchel schließlich auch, seine Knolle gilt – vor allem in Verbindung mit Fischgerichten – als Delikatesse, seine Blätter landen in kleinen Mengen gerne in einer Vinaigrette, im Salat oder je nach Rezept und Gegend auch in einer Remoulade. Seine Samen haben ganze Kontinente quasi im Sturm erobert: In Genf lieben sie ihre Longeole, die traditionell mit Fenchelsamen aromatisierte Rohwurst, und die toskanische Küche ist ohne die Finocchiona kaum vorstellbar, die derselben Grundidee folgt. Darüber hinaus sind die Samen auch aus der asiatischen, der afrikanischen oder der südamerikanischen Küche heute kaum wegzudenken. Abgesehen davon gilt Fenchel als sehr gesund, was wohl jeder wissen dürfte, der einmal Kinder großgezogen hat und so manches Bauchweh und allerlei Husten mit ein bisschen Fencheltee kurieren konnte.

Tricks?

Im professionellen Anbau kann der Fenchel übrigens mit einer ganz außerordentlichen Eigenschaft punkten – und zwar so: Möchte man am Schluss gerne die zartwürzigen Knollen ernten und verwerten, dann sollte man Fenchel niemals vor Anfang Juli aussäen. Über die Zeit entsteht dann die unterirdische Knolle, in der sich Zucker und auch Aromen einlagern.

Besteht das Interesse allerdings darin, die heiß begehrten Fenchelsamen zu produzieren, dann muss man die Pflanze ein bisschen überlisten: Wird sie nämlich deutlich vor Anfang Juli in die Erde gebracht, dann verzichtet sie in der Folge auf die Ausbildung einer größeren Knolle und steckt all ihre Kraft in die Blüten und schließlich vor allem in die Samen.

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