Sellerie

350 Fifth Avenue, New York, NY 10118

Sagt Ihnen das was? Südlicher Rand von Midtown Manhattan? 443 Meter Gesamthöhe? Gebaut in sensationellen, rekordverdächtigen 20 Monaten? Na? – Okay, dann eben so:

Im Jahr 1931 wurde mit dem Empire State Building in New York nicht nur das größte Bauwerk New Yorks oder der USA eröffnet, es blieb auch bis immerhin 1972 das höchste Gebäude der Welt und hat die Skyline New Yorks über Jahrzehnte entscheidend mitgeprägt. Unzählige Filme feiern das Haus – und von seinem Bau bis heute haben die mehr als 120 Millionen Besucher der Aussichtsterrasse im 86. Stockwerk in 320 Metern Höhe das Hochhaus zu einer der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten auf der Welt gemacht.

Haus am Platz

Das dazu, aber wie geht’s jetzt hier weiter mit dem Thema Sellerie, und warum ausgerechnet das Empire State Building? Hervorragende Frage! Für die Antwort darauf begeben wir uns zu einem Zeitpunkt, der ein paar Jahrzehnte vor dem Bau des ESB liegt. Namentlich ins Jahr 1893.

An ebendieser Adresse 350 Fifth Avenue, New York, NY 10118 (siehe oben) hatte nämlich ein schwerreicher Unternehmer mit deutschen Wurzeln 1893 ein absolutes Luxushotel errichten lassen, das so dermaßen erfolgreich wurde, dass er seinem Cousin, der direkt nebenan ebenfalls ein extrem edles Quartier betrieb, vorschlug, doch aus beiden Häusern eins zu machen und so gemeinsam schnell mal eben das größte Hotel der Welt zu schaffen. Beide fanden das gut, verbanden die beiden Häuser durch einen Weg mit dem schönen Namen „Peacock Alley“ (das war der Ort, wo die reichen Damen in vollem Ornat stolz wie die Pfauen herumstolzieren konnten) und fertig war das Meisterstück.

Als dann so um 1925 klar wurde, dass der Hotelkomplex dem Empire State Building würde weichen müssen, wurde er schnell mit schönem Gewinn verkauft und anderenorts ein noch besseres Haus aufgebaut. 1929 dann erfolgte der Abriss.

Der Name mit Programm

Sie kommen allmählich drauf, oder? Die beiden Vettern waren zu ihrer Zeit nicht nur extrem wohlhabend, sondern auch überaus berühmt – schließlich war ihr gemeinsamer Vorfahr vor nicht allzu langer Zeit der reichste Mann Amerikas gewesen und beide trugen seinen Nachnamen: Astor. So hatte William Waldorf Astor 1893 den Grundstein zum 13-stöckigen „Waldorf Hotel“ gelegt (sein berühmter Ahne Johann Jakob stammte aus Walldorf südlich von Heidelberg) und gleich nebenan war ihm 1897 John Jacob Astor IV mit dem „Astoria“ nachgefolgt.

John Jacob Astor IV ging übrigens tragischerweise später mit der Titanic unter – ihm wird die Anekdote zugeschrieben, dass er, als das abgerissene Eis des Eisbergs in die Bar krachte, gesagt haben soll: „Herrje – ich hatte meinen Drink zwar mit Eis bestellt, aber doch nicht mit solchen Mengen!“

Auf jeden Fall brauchten die beiden einen Namen für ihre neue Luxusunterkunft und so schoben sie schlicht die beiden alten Hotels zu einem neuen zusammen: Das „Waldorf Astoria Grandhotel“ war geboren.

Danke, Tschirky!

Dass so ziemlich jeder Mensch von Rang und Namen irgendwann einmal hier abgestiegen ist, ist klar, aber in die Stuben von uns Normalsterblichen hat dieser Name wohl eher durch einen kleinen, feinen Salat wie Donnerhall Einzug gehalten, der kurz vor dem Anbruch des 20. Jahrhunderts vom Chefkoch des Waldorf Astoria, von Oscar Tschirky, entwickelt worden war.

Sein Rezept war ebenso schlicht wie ergreifend: je ein Teil Äpfel und Sellerie, roh in Julienne (feine Streifen) geschnitten, mit Zitronensaft mariniert und mit einer Sauce Chantilly (Mayonnaise mit Sahne) angemacht. Die berühmten Walnüsse kamen erst um 1920 dazu.

Oscar Tschirky verwendete für seinen Waldorf-Salat übrigens keine Sellerieknollen, sondern die Staude der Pflanze, weil er es wichtig fand, dass das Ganze möglichst fein im Geschmack und möglichst knackig frisch zu sein habe.

Knaller-Knolle

Die ursprüngliche Wildform des Selleries stammt aus Europa irgendwo zwischen Kanaren, Kaukasus und Nordafrika, wurde aber wahrscheinlich im Mittelmeerraum kultiviert – auf Sizilien zumindest gab es eine Stadt mit dem Namen „Selinunt“, die nicht nur für ihre Sellerieerzeugung berühmt war, sondern sogar ein Sellerieblatt im Wappen trug.

Botanisch-nüchtern gesehen ist der Sellerie eine Rübe aus der Familie der Doldenblütler, wobei diese (also die Rübe, nicht die Familie) beim Knollen- deutlich stärker ausgeprägt ist als beim Staudensellerie. Der typische Geschmack, der übrigens auch an Liebstöckel (Maggi) erinnert, rührt von einem ätherischen Öl, das den sekundären Pflanzenstoff Phthalid enthält.

Zumindest als Suppengemüse oder als wichtige Zutat einer Grundsoße und als Röst- oder Wurzelgemüse für Schmorgerichte gilt Sellerie als absolut unverzichtbarer Bestandteil sehr vieler Alltagsgerichte, allerdings schmeckt er auch als Püree, als – genau – Salat oder in Scheiben geschnitten durchaus auch als Schnitzel.

Na toll …

Die alten Ärzte und Heiler haben dem Sellerie seit jeher eine ganze Menge positiver Eigenschaften zugeschrieben, das Spektrum reicht von Rheuma, Arthritis und Gicht über harntreibende Eigenschaften bis zum Mittel gegen erhitzten Magen, Tierbisse, Melancholie, Blähungen und „stinkende Schweiße“.

Und auch wenn Ihnen das jetzt unangenehm sein sollte: Die Sache mit der aphrodisierenden Wirkung ist eher dem Bereich des Volksglaubens zuzuschreiben. Weder die alten Ärzte – die in dieser Hinsicht ansonsten ziemlich einfallsreich gewesen zu sein scheinen – noch aktuelle medizinische Erkenntnisse stützen diesen Ansatz …

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