Silvesterbräuche

Dass der 31. Dezember der letzte und der 1. Januar der erste Tag im Jahr ist, erscheint uns heute als unumstößliche Tatsache. Allerdings war das bei Weitem nicht immer so, denn die Kirche, die Astronomen und auch der eine oder andere Herrscher hatten da so ihre eigenen Vorstellungen. Heute sind wir uns darüber zwar einig, das heißt aber nicht, dass alle Silvester auf ein- und dieselbe Weise feiern.

Wann denn nun?

Heute erscheint es uns geradezu wie ein Naturgesetz, es war aber ein wirklich langer Weg bis zu dem Punkt, an dem allgemein anerkannt feststand, dass der 31. Dezember der letzte und der 1. Januar der erste Tag eines jeden Jahres sein sollte. Von der rein astronomisch-mathematischen Sicht machte das zwar schon irgendwie Sinn, allerdings waren die allermeisten Leute mit vollkommen anderen Dingen beschäftigt als mit der Mathematik der Sterne oder den Feinheiten des gregorianischen Kalenders, der ab 1582 galt und der das Jahresende offiziell vom 24. Dezember auf den 31. Dezember verschob.

Die christliche Kirche zum Beispiel hatte ihr Kirchenjahr eigentlich so festgelegt, dass es immer pünktlich am Vorabend des 1. Advents endete und mit dem 1. Advent begann. Der 31. Dezember oder auch der 1. Januar waren hier im Grunde gar nicht wichtig, zumindest was das Liturgische anbelangte.

Für die Bauern und alle, die vom Rhythmus der natürlichen Zyklen abhängig waren, spielten eher meteorologische und jahreszeitliche Aspekte eine Rolle, also ab wann die Natur zur Ruhe kam und ab wann sie wieder erwachte. Und hier stach der 31. Dezember gar nicht so besonders heraus – höchstens dadurch, dass um dieses Datum herum immer so ungefähr die längste Nacht und der kürzeste Tag eines Jahres zu finden waren. So waren die Feste, Feiern und Bräuche zum Beginn des Frühlings oder zum Ende des Herbstes, also alles rund um die Vegetationsphasen, wichtiger und eigentlich auch beliebter als diese eine Nacht im tiefsten Winter.

Was denn nun?

Aber noch mal kurz zurück zur Kirche: Selbst beim besten Willen und wenn man sich alle Mühe gab, Silvester irgendwie mit Weihnachten in Verbindung zu bringen (und damit eine gewisse christliche Relevanz zu schaffen), ging das nicht wirklich auf, weil der sogenannte Weihnachtsfestkreis zwar mit dem 1. Advent anfing, dann allerdings bis zum ersten Sonntag nach dem 6. Januar reichte.

So sperrte sich zum Beispiel auch Kirchenmann Martin Luther dagegen, Neujahr als irgendwie kirchlich relevant anzuerkennen, und es dauerte ziemlich lange, bis die Kirchen zu Silvester immerhin entsprechende Gottesdienste auszurichten begannen. Und wenn man es ein bisschen genauer wissen möchte, dann ist der 31. Dezember „nur“ der Todes- und Heiligen-Gedenktag eines Papstes mit dem Namen Silvester I., der am 31. Dezember 335 nach Christus in Rom das Zeitliche gesegnet hatte. Silvester ist – zumindest aus Sicht der Kirche – nichts anderes als ein Namenstag.

Wer denn nun?

International konnte man sich übrigens auch nicht darauf verständigen, ob man nun eines uralten Papstes gedenken wollte oder ob die Bezeichnung „Neujahr“ bzw. „Abend vor dem neuen Jahr“ nicht auch eine ganz gute Idee sein könnte: So heißt in einigen Gegenden Deutschlands der letzte Tag im Jahr, quasi als Gegenstück zum folgenden Neujahrstag, auch Altjahr, Altjahrsabend oder „das alte Jahr“, in Österreich gebietsweise Altjahrstag, in Kroatien und mit Ausnahmen in Slowenien Silvestrovo (Tag des Silvester). Auch im Niederländischen heißt es zumeist Oudejaarsavond und nur alternativ auch Silvester. Auf Spanisch Nochevieja (alte Nacht) und auf Dänisch, Schwedisch und Portugiesisch spricht man wie im Englischen vom Neujahrs-(vor-)abend: New Year’s Eve, Nytårsaften, Nyårsafton, Véspera de Ano-Novo. Der 31. Dezember wird in folgenden Sprachen konsequent „Silvester“ genannt: Italienisch (Notte di San Silvestro), Französisch (Réveillon de la Saint-Sylvestre), Polnisch (Sylwester), Tschechisch (Silvestrovské Oslavy) – und schließlich auf Deutsch Silvester.

Wie denn nun?

Allen Ländern ist dagegen gemein, dass man den entsprechenden Abend in geselliger Runde mit einem gewissen festlichen Anstrich miteinander verbringt, gemeinsam an das erinnert, was war, und auf das blickt, was vielleicht kommen mag (und auch sollte, Stichwort „gute Vorsätze“) – so wünscht man sich zum Beispiel oft einen „guten Rutsch“ ins neue Jahr. Zum Jahreswechsel gehören Glück- und Gesundheitswünsche für das neue Jahr ebenso dazu wie natürlich der Neujahrstrunk, das berühmte „Anstoßen“. Glück- und Gesundheitswünsche auszusprechen, ist auch noch einige Tage nach Neujahr durchaus üblich.

Für viele Menschen spielen die sogenannten Glücksbringer eine große Rolle, etwa Glücksschweine, Schornsteinfeger und vierblättriger Klee. Als Naschwerk werden oft Berliner Ballen oder Neujahrskrapfen aller Art gereicht. Große Kultur- und Sinfonieorchester veranstalten an Neujahr oft ein besonderes Konzert, etwa das berühmte Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker.

Wo denn nun?

Unter anderen gehört in Italien das Tragen von roter Unterwäsche am Jahreswechsel zum Brauchtum, bei der französischen Feier Le Réveillon de la Saint-Sylvestre sind Champagner und das mitternächtliche Küssen unter dem Mistelzweig Tradition und zum schottischen Hogmanay wird das sogenannte „First-footing“ (etwa: der erste Schritt) kultiviert, bei dem man mit einem Glas Whisky, einem Stück Kohle und etwas Gebäck über die Schwelle von (guten) Nachbarn und Freunden tritt. Irgendwie ein netter Gedanke, der sich eigentlich auch in unseren Breiten gut machen würde!

Feuer, Feuerwerk und Silvesterkracher gehören in vielen Ländern ebenfalls dazu, mancherorts sind sie privat zwar untersagt, dafür werden offiziell ausgerichtete (und teils gigantische) Feuerwerke abgebrannt, wofür Sydney und auch London gute Beispiele sind. In New York lassen sie darüber hinaus unter großem Hallo vom Wolkenkratzer „One Times Square“ in den letzten 60 Sekunden des alten Jahres eine große beleuchtete Kugel langsam herab, was dem Ritual den bezeichnenden Namen „Ball Drop“ verliehen hat.

In Russland machen sie alles ein bisschen anders. Hier wird der Weihnachtsbaum pünktlich zu Silvester aufgestellt, der Weihnachtsmann (Дед Мороз, Großväterchen Frost) bringt die Geschenke in der Silvesternacht und Menschen, die einander mögen, feiern gemeinsam bei einem festlichen Essen. Im Gegensatz zu den westeuropäischen Ländern ist das Neujahrsfest in Russland das mit Abstand wichtigste Fest überhaupt; daran hat auch die schon längst vollzogene Rückkehr alter religiöser Traditionen nicht viel geändert. Zu Beginn des neuen Jahres finden in allen großen Städten Feuerwerke statt.

In der Schweiz, genauer gesagt im Zürcher Oberland, gehen sie auf Nummer sicher und feiern ihr Neujahr einmal am 31. Dezember und dann noch einmal am 11. oder 13. Januar (dieses Datum folgt dann dem julianischen Kalender, also dem Vorläufer des gregorianischen). Beim zweiten Mal, also im Januar, schlagen die Bauern, wenn die Kirchenglocken läuten, auf verschiedenste Holzbretter und dreschen so symbolisch das alte Jahr aus.

In der österreichischen Steiermark machen sie es noch mal ein bisschen anders und ziemlich charmant. Am 30. Dezember wird Bauern-Silvester gefeiert, was auf eine Legende zurückgeht: Ein Bauer war in starkes Schneetreiben geraten, konnte nicht mehr pünktlich nach Hause zurückkehren und feierte deshalb den Jahreswechsel einen Tag vor Silvester gemeinsam mit einem Einsiedler. Auch außerhalb der Steiermark wird es zunehmend beliebt, Bauern-Silvester zu feiern: Man besucht Freunde oder auch unbekannte Personen, die in der Silvesternacht Dienst zu leisten haben, also nicht zu Hause sein können.

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